Trump 2.0 aus Sicht der Golfstaaten - Honeymoon und blaue Augen

Shownotes

Donald Trump ist seit Beginn des Jahres zurück im Weißen Haus – und kaum eine Region blickt so gespannt auf Washington wie der Golf. In Doha, Riad oder Abu Dhabi hat man auf diesen Moment gewartet – mit Hoffnungen, aber auch mit Sorgen. Denn die Golfstaaten wissen: Wenn die USA ihre Außenpolitik ändern, spüren sie die Folgen oft als Erste. Begleitet von führenden Vertreterinnen und Vertretern der amerikanischen Wirtschaftselite besuchte Donald Trump im Mai 2025 mehrere Länder am Golf und verkündete im Anschluss Investitionszusagen in astronomischer Höhe von mehreren Billionen US-Dollar. In seinen Reden vor Ort machte er deutlich, die USA „belehren nicht mehr, wie man zu leben habe“ – vielmehr solle künftig gegenseitiger Respekt den Austausch prägen. Vereinbart wurden umfangreiche Investitionen, insbesondere in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Rüstung. Doch die anfängliche Euphorie hielt nicht lange an: Neue Eskalationen in Gaza, im Jemen und schließlich Israels Angriff auf Katar erschütterten das Vertrauen in die Schutzmacht USA. Was bedeutet Trumps Rückkehr für die Machtbalance im Nahen Osten? Welche Rolle spielt dabei der Iran? Welche Folgen hat dies für den Gaza-Konflikt – und wie reagieren die Golfstaaten auf einen US-Präsidenten, der politische Entscheidungen häufig mit persönlichen Geschäftsinteressen verknüpft? Darüber sprechen wir mit Philipp Dienstbier, Leiter des Regionalprogramms Golfstaaten der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Link zum Artikel von Philipp Dienstbier - „Das erste Jahr der zweiten Trump-Regierung aus Sicht der Golfstaaten“: https://www.kas.de/de/web/auslandsinformationen/artikel/detail/-/content/das-erste-jahr-der-zweiten-trump-regierung-aus-sicht-der-golf-staaten

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Transkript anzeigen

00:00:04:

00:00:11: Donald Trump ist seit Beginn des Jahres zurück im Weißen Haus.

00:00:15: Und kaum eine Region blickt so gespannt auf Washington wie der Golf.

00:00:19: In Doha, Riad oder Abu Dhabi hat man auf diesen Moment gewartet.

00:00:24: Mit Hoffnungen aber auch mit Sorgen.

00:00:26: Denn die Goldstaaten wissen, wenn die USA ihre Außenpolitik ändern, spüren sie die Folgen oft als Erste.

00:00:33: Begleitet vom WHO der amerikanischen Wirtschaftselite besuchte Donald Trump im Mai diesen Jahres verschiedene Länder am Golf und verkündete im Nachgang astronomische Investitionen über mehrere Billionen US-Dollar, vor allem im Bereich der künstlichen Intelligenz und Rüstung.

00:00:49: Doch die Euphorie hält nicht lange.

00:00:51: Neue Eskalation in Gaza, im Jemen und schließlich Israels Angriff auf Qatar hat das Vertrauen in die Schutzmacht USA erschüttert.

00:00:59: Zusammen mit Philipp Dinsbeer, dem Leiter des Regionalprogramms Golfstaaten der Konrad-Adenauer-Stiftung, wollen wir unter die Lupe nehmen, was die Rückkehr Trumps für die Machtbalance im Nahen Osten bedeutet und welche Rolle der Iran dabei spielt.

00:01:12: Er wird uns auch erklären, wie die Golfstaaten auf einen US-Präsidenten reagieren, der politische Entscheidungen häufig mit persönlichen Geschäften verknüpft und in welchen Bereichen es Chancen für Europa gibt, die Zusammenarbeit mit den Golfstaaten auszubauen.

00:01:26: Mein Name ist Magdalena Feigner.

00:01:28: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von AuslandsInfo-Spotlight.

00:01:33: Ich bin jetzt mit Philipp Dienstbier verbunden.

00:01:35: Hallo Philipp und vielen Dank für deine Zeit.

00:01:37: Hallo und vielen Dank für die Einladung.

00:01:40: Du bist ja bereits mit unserer Aufwärmrunde im Podcast vertraut.

00:01:43: Ich gebe dir drei Halbsätze vor und du versuchst sie möglichst kurz zu vervollständigen.

00:01:47: Einverstanden?

00:01:49: Alles klar.

00:01:51: Die Golfstarten sehen in Donald Trump vor allem einen Mann, der ...

00:01:56: der eine bekannte Größe für sie ist und mit dem man nach einer sehr guten Erfahrung aus einer ersten Amtszeit daher umzugehen weiß.

00:02:06: Trumps Politik im Nahen Osten zeigt, dass Macht heute vor allem bedeutet,

00:02:11: gute persönliche Beziehungen zum Mann im weißen Haus zu haben und vielleicht auch gute Geschäfte mit seinem Filmimperium zu machen.

00:02:20: Wenn Europa am Golf eine Rolle spielen will, dann muss es zuerst

00:02:25: sich besser vermarkten.

00:02:27: Wir sind ein großer Wirtschaftsraum, wir sind attraktiv als Partner, es gibt eine kulturelle Nähe zum Golf und wir haben daher auch Softpower, aber wir machen eben zu wenig daraus.

00:02:38: Viele Staatschefs in der Golfregion scheinen auf die Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus mit Sympathie reagiert zu haben.

00:02:44: Was macht ihn aus Sicht der Golfmonarchien so attraktiv?

00:02:48: Ist es sein Führungsstil, seine Wirtschaftspolitik oder schlicht das Vertrauen auf seinen außerordentlichen Geschäftsinn?

00:02:55: Ich würde sagen, es ist vielleicht von allem etwas.

00:02:58: Er hat im Gegensatz zu den formalistischen Beziehungen, die andere Präsidenten zum Golf hatten, natürlich besonders persönliche, fast freundschaftliche Beziehungen zu den Machthabern am Golf aufgebaut.

00:03:12: Und diese personalistische Außenpolitik, die passt sehr gut zu den Golfstaaten.

00:03:18: Er ist ein Dealmaker, das heißt, oder zumindest gilt er als ein solcher, das heißt auch das ist sehr anschlussfähig am Golf, wo die Politik am Ende des Tages immer auf die wirtschaftliche Entwicklung und Transformation der eigenen Region schaut.

00:03:36: und sein Mantra von Nicht Einmischung, Respekt gegenüber den Golfstaaten grenzt ihn auch von dem, was er gerne die liberalen Interventionisten nennt, ab.

00:03:48: Also andere Präsidenten oder auch Länder, die sich in die inneren Angelegenheiten in Fragen von Menschenrechten und Demokratie eingemischt haben.

00:03:58: Da fährt er einen vollkommen anderen Ansatz und das kommt bei den Golfstaaten, die schon lange dieser aus ihrer Sicht... moralisch überheblichen Beformundung des Westens kritisch gegenüberstehen, eben besonders gut an.

00:04:14: Donald Trump ist ein Politiker, der stark auf persönliche Beziehungen setzt.

00:04:18: In der Golfregion trifft das auf eine politische Kultur, in der persönliche Loyalität und Vertrauen ebenfalls eine große Rolle spielen.

00:04:25: Wie stark prägt dieser Politikstil per Handschlag tatsächlich internationale Entscheidungen und wo stößt er dann vielleicht doch an Grenzen?

00:04:34: Dieser Politikstil... trifft auf jeden Fall Angrenzen.

00:04:37: Das muss man ganz klar so festhalten.

00:04:40: Es ist nicht das so trotz bemerkenswert, welchen Rapport die Golfstaaten, vor allem eben die Könige, die Imiro oder im Falle Saudi Arabiens auch der Kronprinz mit dem US-Präsidenten aufgebaut haben und wie sehr das tatsächlich auch die bilateralen Beziehungen prägt.

00:05:02: Man kann schon sagen, dass es dabei zwar viel um Signalwirkung geht und sich beispielsweise mal diese Wirtschaftsabkommen ansieht, die bei Trumps Besuch im Frühjahr und dann auch bei diversen Gegenbesuchern in den USA verkündet wurden.

00:05:16: Bei generen Hinsinnen ist das am Ende des Tages sicherlich viel Ankündigung und wenig Substanz.

00:05:24: Also das ist eine der, wenn man so will, Grenzen, die diese Politik hat.

00:05:28: Auch in der Sicherheitspolitik kann man durchaus festhalten, ist diese Art des Politikbetreibens nicht immer effektiv.

00:05:36: Gerade die Angriffe auf Qatar haben bei allen guten persönlichen Beziehungen zu Trump die Goldstaaten stark verunsichert.

00:05:45: Inwiefern das, was sie an Signalen bekommen haben, auch wirklich am Ende etwas wert ist, beispielsweise, wenn es ganz konkret um Schutz zu sagen, der USA geht.

00:05:54: Aber es gibt eben auch sehr viele Erfolge.

00:05:56: Die Syrien-Sanktionen sind beispielsweise auf Betreiben der Goldstaaten aufgehoben worden.

00:06:01: Qatar hat einen sehr umfangreichen präsidenziellen Erlass, der dem Emirat den Beistand der USA zu sichert bekommen und auch die KI-Deals, die die Vereinigten Arabischen Emirat und Saudi-Arabien abgeschlossen haben, weit mehr als was viele andere Länder erzielen konnten.

00:06:20: Die Golfstaaten investieren Milliarden in Rüstung, künstliche Intelligenz und Infrastruktur, künstliche Intelligenz, das ist jetzt gerade schon angesprochen, oft mit westlichen Partnern an ihrer Seite.

00:06:30: Geht es dabei vor allem um wirtschaftliche Modernisierung oder steckt dahinter auch der Versuch, geopolitischen Einfluss zu gewinnen und die eigene Abhängigkeit von den USA zu verringern?

00:06:40: Dabei geht es schon in erster Linie um wirtschaftliche Modernisierung.

00:06:43: Die Golfstaaten haben alle das Problem, dass sie bislang größtenteils vom Verkauf von Öl und Gas abhängig sind.

00:06:50: Sie wollen ihre eigenen Volkswirtschaften zukunftsfest machen, heißt sie wollen unabhängiger von diesen Energieeinnahmen werden.

00:06:58: Es gibt wie Visionen-二-zig-dreißig in Saudi-Arabien überall diese großen ambitionierten Wirtschaftspläne.

00:07:05: Und das ist durchaus das Kerninteresse in vielen Politikfeldern.

00:07:09: Am Ende des Tages möchten die Golfstaaten ihre Wirtschaften transformieren und sie stellen eben viele andere politische Erwägungen diesem übergeordneten Ziel unter.

00:07:19: Das hat aber auch eine geopolitische Dimension, gar keine Frage.

00:07:23: Die Länder, die es schaffen, ihre Wirtschaften zu transformieren, sterben damit letztendlich auch ihre politische Positionen.

00:07:30: Sie gewinnen an Macht und Einfluss regional.

00:07:32: Und sie sind letztendlich auch als Regime natürlich nach innen dadurch viel gefestigter als solche Länder, die es eben nicht schaffen, ihrer Bevölkerung wirtschaftliche Perspektiven zu bieten.

00:07:43: Wenn man auf den Nahen Osten blickt, hat man gerade in den letzten Jahren oft von Waffenstillständen gehört, die dann wieder zerbrechen.

00:07:50: Wie stabil ist der politische Kurs der Golfstaaten und welchen Einfluss haben sie wirklich auf die großen Konflikte der Region, also etwa im Gaza, im Yemen oder gegenüber Iran?

00:08:01: Zunächst muss man festhalten, dass die Golfstaaten durchaus ein genuines Interesse daran haben, ihre Nachbarschaft zu stabilisieren, vor allem auch wenn man aus den eigenen Entfehlern der Vergangenheit gelernt hat.

00:08:13: Das Problem ist einfach nur, die Konflikte um die Goldstaaten herum sind eben sehr komplex und sie sind oft festgefahren, lassen sich deshalb nicht einfach lösen.

00:08:21: Es ist auch so, dass die Goldstaaten nicht immer dieselben Interessen in all diesen Konflikten verfolgen.

00:08:27: In Gaza war man sich zwar einig, dass das Kämpfen aufhören muss, um die Nachbarschaft zu stabilisieren, aber andersorts ist die Abstimmung auch unter den Goldstaaten sehr difficile.

00:08:37: im Jemen, wo in den letzten Tagen wieder Kämpfe ausgebrochen sind oder auch um Sudan beispielsweise.

00:08:42: ziehen die Goldstaaten überhaupt nicht an einem Strang.

00:08:45: Sie stehen sich sogar vollkommen gegenüber.

00:08:48: Und diese Differenzen werden auch vor allem zwischen den beiden wichtigsten Goldstaaten Saudi-Arabien und den VRE immer offensichtlicher.

00:08:56: Und zuletzt haben die Goldstaaten aber auch die Schwierigkeit, dass sie beim Thema Iran, Israel und anderen Orts auch nicht unabhängig handlungsfähig sind, sondern vor allem die USA, diejenigen sind, die die Politik bestimmen.

00:09:08: und dass sie dort eben trotz der guten Beziehung, wie eben schon angesprochen, oft auch nur einen begrenzten Einfluss haben.

00:09:15: Es gab im Juni einen Zwölftagekrieg zwischen Israel und dem Iran.

00:09:18: Israel startete Luftangriffe auf iranische, militärische und atomare Infrastruktur.

00:09:24: Iran reagierte noch am selben Tag mit Raketen und Luftschlägen gegen israelische Ziele.

00:09:29: Der Konflikt eskalierte über mehrere Tage.

00:09:32: Am auf dem Januar, am dem Januar, wurde dann ein Waffenstillstand vereinbart, vermittelt durch Qatar und die USA.

00:09:38: Wenn man jetzt auf die Golfstaaten blickt, merkt man, dass einige Staaten wie zum Beispiel der Oman historisch relativ stabile Beziehungen zum Iran pflegen, teils aus geostrategischen, teils aus wirtschaftlichen Gründen.

00:09:50: Man merkt ganz klar, die Golfstaaten halten die Gespräche am Laufen, Washington dagegen setzt oft auf Druck und Sanktionen, wenn es um den Iran geht.

00:09:59: Kann man sagen, dass sich die Sicherheitsinteressen am Golf inzwischen stärker von denen der USA entfernen?

00:10:05: Oder ist das eine Art Arbeitsteilung?

00:10:07: Sprich, die eine Nation spielt Good Corp, die andere Nation spielt Bad Corp.

00:10:11: Ich würde schon davon sprechen, dass sich die Interessen der USA und der Golfstaaten bei der Iran-Politik auseinander bewegen.

00:10:19: Die Golfstaaten, vor allem aus Saudi-Arabien, haben einfach das Problem, sie sind diejenigen, die bei dieser Konfrontation an erster Front sind.

00:10:28: Das hat sich in vergangenen Jahren immer wieder gezeigt.

00:10:32: Die Trump-Regierung in ihrer ersten Amtszeit ja schon einmal diese sogenannte Maximum Pressure-Politik gegenüber Iran fuhr und letztendlich dazu geführt hat, dass gerade im Jahr twohntausend neunzehn mit einem in Saudi-Arabien sehr traumatischen Angriff auf die Ölanlagen im Osten des Landes.

00:10:52: die Golf-Staaten im Prinzip diejenigen waren, die in erster Schusslinie geraten sind und auch die USA sie davon nicht bewahren konnten.

00:10:59: Und deswegen hat der Golf seine Iran-Politik eben neu ausgerichtet, betreibt jetzt diese Deeskalationsstrategie.

00:11:07: und während Trump, auch wenn er zwischenzeitlicher mit Iran versuchte, über das Atomprogramm zu verhandeln, eigentlich wieder einen viel stärkeren Konfrontationskurs führt, dann widerspricht das gewissermaßen diesen neuen Interessen dieser neuen Politik, die Saudi Arabien und auch andere Golfländer verfolgen.

00:11:25: Lass uns noch mal einen kurzen Blick auf Israel werfen.

00:11:28: Deren Angriff auf ein Gebäude in Doha im September twenty-fünfundzwanzig gilt als Zäsur.

00:11:34: Zum ersten Mal wurde ein Mitgliedstaat des Gulf Cooperation Council direkt militärisch getroffen.

00:11:39: Das hat massiven Unmut in der Golfregion ausgelöst.

00:11:42: Laut israelischen Angaben zielte der Luftschlag auf die Führung der Hamas in Doha, insbesondere auf Ranghoe, Mitglieder der politischen Führung.

00:11:51: Viele Golfstaaten verurteilten Israel scharf, sprachen von einem schwerwiegenden Bruch der regionalen Sicherheit.

00:11:57: Wie würdest du die aktuelle Stimmung jetzt im Dezember beschreiben, gibt's wieder Hoffnung auf eine neue friedliche Ordnung in dieser krisengeplagten Region?

00:12:07: Ich sehe eine rasche Ausweitung der Abramabkommen momentan nicht.

00:12:11: Die Normalisierungsbestrebungen mit Israel, vor allem die von Saudi-Arabien, sind zwar nicht ganz vom Tisch.

00:12:17: Und die Länder, die ja auch schon Beziehungen aufgenommen haben, Bahrain und die VRE, die halten auch weiterhin daran fest.

00:12:23: Aber diese Dynamik, die wir zwischenzeitlich hatten, gerade in einer Normalisierung zwischen Saudi-Arabien und Israels, die ist inzwischen zum Erliegen gekommen.

00:12:32: Riad hat immer wieder sehr deutlich in den letzten Jahren erklärt keine diplomatischen Beziehungen ohne eine gleichzeitig Errichtung eines Palästinenserstaates und hält eben auch an diesem Mantra fest.

00:12:45: Die Entwicklung gehen aber auch noch ein bisschen darüber hinaus und das bereitet schon Sorge, denn nach Lesat der Goldstaaten hat Israel über die letzten Jahre einen immer expansiveren Krieg gegen Iran und seine Stellvertreter geführt und damit eben eine Eskalationsdynamik in der Region angeheizt, welche diese gerade angesproffene Entspannungspolitik mit Iran eben gefährdet.

00:13:07: Und deswegen ist die Bedrohungspersipzion heute, die Bedrohungspersipzion der Golfstaaten, dass Israel die friedliche Ordnung in der Region gefährdet.

00:13:17: Der Angriff auf Katar versinnbildlicht eben diese Sorge für die Goldstaaten.

00:13:21: Es ist eben ein Indiz dafür, dass auch sie, die ja bislang eigentlich ein Hort der Stabilität waren, eben nicht mehr sicher ist.

00:13:29: Und das ist eine strategische Entscheidung, die durchaus Anlass zur Sorge gibt.

00:13:35: Diesen November fand ja ein Treffen von Donald Trump und dem Grundprinzen Binz-Holmann von Saudi-Arabien statt.

00:13:41: Viele Hörerinnen und Hörer werden das in den Zeitungen verfolgt haben.

00:13:44: Christiano Ronaldo war ebenfalls dabei und auch Elin Maas gließt sich blicken.

00:13:48: Ronaldo ist seit Jahrzehnt zwanzig bei einem saudischen Fußballclub unter Vertrag und gleichzeitig im Botschafter für die WM-Zwanzigvier und Reißig, die in Saudi-Arabien stattfinden wird.

00:13:57: Interessant war aber, was dort beschlossen wurde.

00:14:00: Saudi-Arabien sichete sich nämlich den begehrten Status eines Major Non-Nato-Alli der USA.

00:14:06: Ich erkläre kurz für die Hörerinnen und Hörer, und zwar ist das eine Bezeichnung für Länder, die besonders enge diplomatische und strategische Beziehungen zu den USA pflegen, aber aus verschiedenen Gründen nicht Mitglied der NATO sind.

00:14:19: Und die Vergabe dieser Bezeichnung ist nicht mit einem Verteidigungsbündnis gleichzusetzen, gewährt den Ländern aber gewisse Vorteile, die andere Staaten außerhalb der NATO eben nicht haben.

00:14:29: Vorteile können zum Beispiel sein, prioritäre Vergabe von militärischem Güterenkauf vom Panzerbrechner Munition, gegenseitig militärische Ausbildung usw.

00:14:38: Trump hat verkündet, dass Saudi-Arabien amerikanische F- Thirty-Kampf-Chats erhält.

00:14:44: Das ist militärische Hochtechnologie, die im Nahen Osten bislang eben allein Israel vorbehalten war.

00:14:51: Und nach dem Treffen stellte sich dann heraus, dass es Donald Trump offenbar auch nicht hörnötig befand, den Waffendil als Druckmittel einzusetzen, damit Saudi-Arabien den sogenannten Abraham-Abkommen weitere.

00:15:02: Du hast es vorhin schon gesagt, siehst du aktuell nicht.

00:15:05: Aber trotzdem nochmal an dich die Frage, wie beurteilst du das Vorgehen von Trump?

00:15:10: Also ich denke, es zeigt erst mal, dass diese Intensivierung der Saudi-Arabisch-amerikanischen Beziehungen unter Trump einfach weiter voranschreitet, zeigt auch, wie wichtig Trump vor allem der Verkauf amerikanischer Rüstungsgüter an verschiedene Länder eben auch die Wolfsstaaten ist.

00:15:28: Ich denke, bei dem F-Mund-Reißig-Deal muss man so ein bisschen einordnen, viele Details müssen noch geklärt werden.

00:15:35: Ich würde auch an der Stelle daran erinnern, dass die Vereinigten Arabischen Emirate, im Jahr zwanzig-einundzwanzig bereits von Trump während seiner ersten Amtszeit eine Zusage für den Verkauf von F-M- und Dreißig-Kampfflugzeugen bekamen.

00:15:47: Es dann aber Differenzen bei den Verhandlungen mit der darauf folgenden beiden Regierung gab und dieser Deal letztendlich gescheitert ist und gar keine Flugzeuge verkauft wurden.

00:15:56: Also es ist noch ein weiter Weg auch hier wieder.

00:15:59: Man ist schnell mit großen Ankündigungen, die Substanz ist dann doch etwas komplizierter bei genauerem Hinsehen.

00:16:06: Ich denke, was man schon sehen muss, ist, wir befinden uns ja in diesem Kontext, den ich eben erwähnte, einer Verunsicherung der Golfstaaten über die Eskalationen der Region, über auch die Sicherheitsbedrohungen für sie selbst und die Frage auch über amerikanische Schutz zu sagen.

00:16:24: Und dass Saudi-Arabien zwar den Status eines Major Non-Nature-Alli bekam, aber eben nicht eine Art von Beistandsbekundung oder Schutzgarantie, wie auch Katar davor zeigt, dass wir hier eben nicht diesen lange angestrebten Deal einer Normalisierung Saudi-Aradens einerseits mit Israel und dafür eben im Austausch nicht nur amerikanische Rüstungsgüter und auch die Unterstützung bei ziviler Nukleatechnologie, sondern vor allem eben ein NATO-artiges Verteidigungsabkommen gesehen haben.

00:16:58: Da liegen beide Seiten noch auseinander.

00:17:00: Man möchte natürlich Erfolge vorweisen und diese Ankündigungen aus Broschenken sind auch durchaus signifikant.

00:17:07: Aber dieses enge Sicherheitsbündnis, was GRIAT eigentlich möchte, ist es noch lange nicht und ist eben auch im Kontext der momentanen Lage durchaus schwierig.

00:17:19: Vielleicht sprechen wir noch kurz über die Chancen für Europa.

00:17:22: Obwohl der GASA-Deal den Beziehungen zwischen den Golfstaaten und den USA zuletzt ja wieder Aufschwung verliehen hat, könnte auch Europa aus der gemischten Bilanz nutzen, ziehen und die eigene Zusammenarbeit mit dem Golf strategisch vertiefen.

00:17:35: Kannst du erklären, wieso Deutschland ein Interesse daran habt, in der Golfregion eine Rolle zu spielen?

00:17:40: und hat Europa oder speziell Deutschland heute überhaupt noch die Chance, dort außen oder sicherheitspolitisch ernst genommen zu werden?

00:17:47: Und wenn ja, womit?

00:17:51: Ja, die Golfstaaten sind über die vergangenen Jahre immer wichtige Akteure geworden.

00:17:56: Das muss man einfach so anerkennen.

00:17:57: Das gilt in ihrer eigenen Nachbarschaft.

00:17:59: Das gilt aber auch global.

00:18:01: Im Nahen Osten ist ohne sie ohnehin nichts mehr zu machen.

00:18:04: Aber auch in Ostafrika, auch in Asien, auch bei uns Europa sehen wir, wie die Golfmonarchien immer wichtiger werden.

00:18:12: Katar, die VAE, Saudi-Arabien verhandeln zum Beispiel auch beim russischen Krieg gegen die Ukraine, bieten sich dort als Mediatoren an.

00:18:21: Also diese Relevanz... des Golfs, die ist, glaube ich, auch inzwischen hier bei uns auf unserem eigenen Kontinent ganz klar.

00:18:27: Wir teilen uns außerdem eben eine erweiterte Nachbarschaft.

00:18:30: Die Außenpolitik der Golfstaaten hat deswegen auch immer Auswirkungen hier auf uns in Deutschland, in Europa.

00:18:36: und auf der strategischen Ebene muss man eben auch sagen, sowohl bei den europäischen Ländern als auch bei den Golfstaaten handelt es sich um Mittelmächte.

00:18:46: Wir sind im Inneren natürlich unterschiedlich verfasst, aber Auf der internationalen Bühne teilt uns als Mittelmächte gewissermaßen ein Interesse an einer stabilen, an einer regelbasierten Weltordnung, die auch von den größeren Mächten wie den USA oder China respektiert und erhalten wird.

00:19:05: Und darin sehe ich ein geteiltes Kerninteresse zwischen dem Golf und Europa.

00:19:11: Das heißt, wir müssen eben angesichts dessen enger miteinander kooperieren.

00:19:15: Es gibt ja auch eine ganze Reihe von Strategie-Papieren, wie man das machen könnte.

00:19:20: Nur an der Implementierung hakt es eben.

00:19:22: Also ein Beispiel, das gerne angeführt wird.

00:19:25: Europa verhandelt seit thirty-fünf Jahren mit den Golfstaaten über ein Freihandelsabkommen.

00:19:30: In Zeiten von Zollkriegen und Wirtschaftsflaute haben wir in Deutschland als Exportnation, glaube ich, ein essenzielles Interesse daran, dass wir mit einem dynamischen Wirtschaftsraum wie den Goldstaaten eben mehr Handeln und Investitionen betreiben und sollten bei solchen Themen endlich vorankommen.

00:19:45: Das kann man für andere Politikfelder genauso sagen.

00:19:48: Wir als Deutschland, als Europa sind oft leider eben aufgrund dieser Beherrigkeit kein wirklicher Faktor am Golf.

00:19:55: Und wir könnten aber ein viel attraktiverer Partner sein und da gilt es eben entschieden voranzugehen.

00:20:01: Investitionen in welchem Bereich genau?

00:20:04: Die Golfstaaten wandeln sich momentan ja sehr stark, investieren in Zukunftstechnologien, investieren auch in ihre Energietransformationen, bauen ganze neue Wirtschaftszweige auf.

00:20:17: Da ergeben sich aus meiner Sicht einerseits für deutsche Unternehmen attraktive Chancen, Teil eben dieses Wirtschaftswandels zu sein, vor Ort eben auch als Akteure dadurch mehr Geschäfte zu machen.

00:20:29: Gleichzeitig sind die Golfstaaten aber auch mit ihren sehr auskömmlich ausgestatteten Staatsfonds-Investoren hier bei uns in Europa.

00:20:38: Man sieht, wie auch hierzulande Hochtechnologie von den Golfstaaten gezielt eingekauft wird.

00:20:46: In Nordrhein-Westfalen ist gerade der Konzern Covestro von den Emiratischen Investoren übernommen worden.

00:20:54: Also diese engen Wirtschaftsverflechtungen auf beiden Seiten brauchen aus meiner Sicht auch ein aktiven politischen Überbau, der das Ganze begleitet, der dafür sorgt, dass wir besser miteinander wirtschaftlich kooperieren, der aber auch sicherstellt, dass das für unsere wirtschaftliche Entwicklung hier zu Hause, Deutschland, Europa wieder ökonomisch voranzubringen, einen Mehrwert bietet und dass wir vielleicht durch Partnerschaften in Hochtechnologien oder anderer Orts auch hier in Deutschland von so etwas besser profitieren.

00:21:26: Vielen Dank für deine Einschätzungen, Philipp.

00:21:29: Ich würde den Podcast gerne schließen mit einer etwas persönlicheren Note.

00:21:32: Du betreust ja das Regionalprogramm Golfstaaten, heißt du reist sehr viel zwischen den Ländern hin und her.

00:21:38: Aber wenn du jetzt an die verschiedenen Länder denkst und dir eins rauspickst, was ist einer deiner Beobachtungen oder Dinge, die du dort immer wieder im Alltag siehst und sagst, also das wär schön, wenn wir das auch in Deutschland hätten.

00:21:50: Also ich bin manchmal fasziniert, wenn ich sehe, wie weit die Digitalisierung in verschiedenen Golfstaaten schon vorangetrieben wurde.

00:21:57: Wir bemängeln ja gerne, dass wir in Deutschland ganz besonders dort hinterher hingen, wenn ich mir angucke, dass man in Saudi-Arabien beispielsweise innerhalb von weniger Sekunden inzwischen einen Tourismusvisum ausgestellt bekommt, wenn mir Partner am Golf zeigen, wie sie von ihrem Mobiltelefon per App ihren Pass verlängern können.

00:22:18: Dann würde ich mir manchmal wünschen, dass wir vielleicht bei diesen E-Governance-Themen oder auch bei der Digitalisierung als solches da ähnlich gut vorankommen.

00:22:27: Ich finde es schade, wenn wir nur an der Orts quasi diese Art von Zukunftsinnovation aus dem Alltag sehen und wir bei uns zu Hause da doch noch einige Male hinterherhängen.

00:22:37: Also das ist so einer der Punkte, wo ich mir manchmal denke, das wäre doch schön, wenn wir das vielleicht ebenso gut hinbekehren.

00:22:44: Ja, also da drücke ich uns allen die Daumen, dass Deutschland mit der Staatsmodernisierung und Digitalisierung voranschreitet.

00:22:50: Vielen Dank nochmal, Philipp, für deine Einblicke.

00:22:52: Vielen Dank ebenso.

00:22:54: Das war eine weitere Folge von AuslandsInfo-Spotlight.

00:22:57: Passend zu dieser Folge gibt es in der aktuellen Ausgabe des Außenpolitikmagazins Auslandsinformationen einen Artikel.

00:23:04: Den Link dazu findet ihr in den Show-Nauts.

00:23:06: Das Magazin könnt ihr übrigens auch kostenlos abonnieren.

00:23:09: Philipp Dinsbier und ich haben heute am elften Dezember gesprochen.

00:23:13: Das Ganze ist eine Produktion der Condat-Adenauer-Stiftung.

00:23:16: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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