Amerika den Amerikanern? Lateinamerika und die neue US-Sicherheitsstrategie
Shownotes
Die USA richten ihren strategischen Fokus neu aus – und rücken Lateinamerika wieder ins Zentrum ihrer Machtpolitik. Die neue Nationale Sicherheitsstrategie definiert die westliche Hemisphäre als exklusiven Einflussraum und setzt klare Grenzen gegenüber China und Russland. Was bedeutet dieser Kurswechsel für die Region – und für Europa? Darüber sprechen wir in dieser Episode unseres Podcasts mit Henning Suhr. Er leitet das Regionalprogramm Parteiendialog und Demokratie in Lateinamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung mit Sitz in Uruguays Hauptstadt Montevideo und hat jüngst einen Länderbericht zur neuen US-Sicherheitsstrategie verfasst.
Die gesamte Analyse von Henning Suhr zur neuen US-Sicherheitsstrategie lesen: https://www.kas.de/de/web/auslandsinformationen/laenderberichte/detail/-/content/die-neue-us-sicherheitsstrategie-und-ihre-folgen-fuer-lateinamerika-und-europa
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Transkript anzeigen
00:00:04: Über Jahrzehnte Egalatane Amerika in Washington als Brandthema.
00:00:19: Politisch relevant.
00:00:20: Ja, aber strategisch nachgeordnet.
00:00:23: Diese Zeit ist vorbei.
00:00:25: Mit der neuen nationalen Sicherheitsstrategie der USA wird die westliche Hemisphäre neu definiert.
00:00:32: Nicht nur als Nachbarschaft, sondern als sicherheitspolitischer Kernraum.
00:00:36: Die Botschaft ist eindeutig.
00:00:38: Die Vereinigten Staaten beanspruchen den amerikanischen Doppelkontinent wieder als exklusiven Einflussbau.
00:00:45: China und Russland sollen dort keinen strategischen Fußabdruck hinterlassen, weder militärdurch, technologisch noch infrastrukturfrei.
00:00:55: Migration, Wogenhandel, Lieferketten, Häfen, Netzinfrastruktur.
00:01:01: All das wird nicht mehr als Regionalpolitik verstanden, sondern als Frage nationaler Sicherheit.
00:01:08: Mit militärischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Mitteln setzen die USA diesen Anspruch bereits um.
00:01:15: Lateinamerika rückt damit ins Zentrum der Geopolitik.
00:01:19: Und Europa steht vor einer unbequemen Realität.
00:01:23: Es ist in dieser Region kein strategischer Partner der USA, sondern Konkurrent.
00:01:29: Was bedeutet dieser Kurswechsel konkret?
00:01:32: Für Lateinamerika, für Europa und für Deutschland.
00:01:57: Mein Name ist Rana Taschkörper-Dann.
00:01:59: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Auslands-Info-Sportlight.
00:02:14: Hallo Henning, danke für deine Zeit.
00:02:16: Gern geschehen.
00:02:17: Evor wir einsteigen, starten wir mit einer kurzen Aufwärmdrunden.
00:02:21: Ich gebe die Teilsätze vor, die du bitte vervollständigst.
00:02:24: Einverstanden?
00:02:25: Auf jeden Fall.
00:02:28: Die neue US-Sicherheits-Sportigie zeigt sehr deutlich, dass ...
00:02:33: Das in Washington ein anderer Wind weht.
00:02:36: Aus Sicht Washingtons ist Latina Meerbriker heute
00:02:39: eine wichtige, wenn nicht oberste Priorität.
00:02:42: Vinic
00:02:43: Uela ist deshalb so zentral, weil
00:02:46: sich die USA einen Dominoeffekt davon erhoffen sollte, es dort zu einem nachhaltigen Wandel kommen.
00:02:59: Henning, bevor wir auf einzelne Regionen schauen, Lass uns das Dokument selbst einordnen.
00:03:04: Was sind aus deiner Sicht die zentralen Punkte der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie und worin unterscheidet sie sich von früheren US-Strategien?
00:03:13: Die neue nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten unterliegt einer anderen Logik.
00:03:19: Es ist eine neorealistische Logik, in der Macht das Entscheidende ist.
00:03:24: Macht wird auch als etwas gesehen, was einem Nullsummspiel zugrunde liegt.
00:03:29: Das bedeutet, hat der eine Mehrmacht, hat das andere Land oder die andere Macht weniger.
00:03:35: Die westliche Hemisphäre, und damit bezeichnet man den amerikanischen Doppelkontinent in seiner Gesamtheit, hat in der Sicherheitsstrategie absolute Priorität.
00:03:46: Deswegen wird diese Region auch als erstes genannt und hiermit bezweckt die US-Administration, außerhemisphärische Mächte aus Lateinamerika und Nordamerika herauszudrängen.
00:04:02: Die entscheidenden Themen dieser Sicherheitsstrategie sind die Bekämpfung von organisierter Kriminalität, die Begrenzung von destabilisierenden Migrationsflüssen und natürlich auch die Stärkung von Wirtschaftsbeziehung und all das eben zu Lasten von außerhemysphärischen Mächten, die man vor allem mit dem starken Sicherheitsfokus außer Hemysphäre heraushalten möchte.
00:04:29: Jetzt hast du die Grundspannung schon mal deutlich gemacht und die Strategie aufgemacht.
00:04:35: Wenn man das einmal so klar vor sich sieht, dann stellt sich sofort die nächste Frage.
00:04:40: Wie setzen die USA das eigentlich konkret um?
00:04:43: Also, das Strategie-Papier arbeitet ja sehr klar mit dem Prinzip Enlist and Expand, also Partner einbinden und Einfluss ausweiten.
00:04:52: Wie genau funktioniert dieser Ansatz an Lateinamerika?
00:04:55: Also die Amerikaner, die gehen hier unilateral vor.
00:04:58: Sie setzen nicht auf multilaterale Abkommen oder dergleichen, die dienen eher, wenn überhaupt, Mittel zum Zweck.
00:05:06: Ziel ist wirklich die Vertiefung bestehender Partnerschaften.
00:05:10: Das bezeichnet man unter Enlist.
00:05:12: Und die Ausweitung von neuen Partnerschaften auf neue Länder in Latinamerika, damit meint man expand.
00:05:20: Und wie möchte man das erreichen?
00:05:22: Auf der einen Seite durch.
00:05:24: Anreize, indem man eben zum Beispiel Kreditlinien vergibt oder andere Dinge den Partnern entgegenkommt.
00:05:32: Oder eben sonst die Konditionierung und Sanktionierung.
00:05:35: Das bedeutet, wenn sie eben nicht auf die Erfordernisse von Washington reagieren, dann müssen sie eben auch mit Konsequenzen rechnen.
00:05:43: Das klingt nach einer sehr viel härteren Logik, als wir sie aus früheren Jahren kennen.
00:05:49: Du hast den Ansatz eben auch schon als neorealistisch bezeichnet.
00:05:53: Und diese neue Logik, die wurde ja vor allem Anfang Jahrzehntausendsechsundzwanzig sichtbar.
00:06:00: Ich meine damit den Militärschlag gegen Venezuela.
00:06:04: Er hat international ja für sehr große Aufmerksamkeit und Überbrassungen gesorgt.
00:06:09: War dieser Eingriff aus deiner Sicht vor allem regional motiviert?
00:06:14: oder ein globales Signal an China, Russland und andere Akteure.
00:06:20: Du hast eben von außerhimmisfertischen Mächten gesprochen.
00:06:23: Ja, also dazu möchte ich noch ein bisschen weiter ausholen, um das ein bisschen verständlicher zu machen.
00:06:28: Dass etwas in Venezuela passiert, das haben viele unserer Partner hier schon in den Monaten zuvor öfter gesagt, weil einfach dafür der Militär auf Marsch vor der Küste Venezuelas zugewaltig war.
00:06:40: Donald Trump hat mit dem Amtsantritten, im Jahr zwei Tausendfünfundzwanzig, bereits die neue Sicherheitsstrategie umgesetzt, ohne dass sie kommuniziert wurde.
00:06:50: Und die orientiert sich eben an der Monroe Doctrine, die hat er selber auch etwas verballhorned, Donro Doctrine genannt.
00:06:58: Und da bezieht man sich eben darauf, dass man außerhemisphärische Mächte aus dem Kontinent herausdrängt und den Machtanspruch der Amerikaner in der gesamten Hemisphäre unterstreicht.
00:07:11: Am fünften Januar, da hat das State Department das noch deutlich gemacht, da haben sie in den sozialen Medien einen Post gemacht, der zeigte das grimmige Gesicht von Donald Trump und darunter stand, the Western Hemisphere is ours.
00:07:25: Also mit anderen Worten, das ist unser Einflussgebiet und das ist auch unser, die Amis bezeichnen das als Home.
00:07:32: Also das ist unser Zuhause, das ist unsere Region.
00:07:37: Und man hat diesbezüglich schon im Laufe des Jahres an verschiedenen Orten Einfluss genommen.
00:07:43: Man hat sich z.B.
00:07:43: Kontrolle über den Panama-Kanal zurückgeholt.
00:07:46: Man hat auch bei Wahlen nicht davor zurückgeschreckt, offen für bestimmte Kandidaten zu werben.
00:07:52: Im Fall von Argentinien war das so bei den Parlamentswahlen, wo man sich für die Partei von Javier Millet ausgesprochen hat öffentlich.
00:07:59: Und auch in Honduras hat sich Donald Trump für den konservativen Kandidaten öffentlich ausgesprochen.
00:08:04: Hat auch gesagt, wenn die Honduren ... nicht wählen, wie er das gerne möchte, dann gibt es Konsequenzen.
00:08:10: Das ist natürlich eine Einmischung in Wahlprozesse.
00:08:14: Aber auch sonst so haben die USA an verschiedenen Orten in Lateinamerika ihre Präsenz deutlich gemacht.
00:08:21: Sie haben zum Beispiel auch in der Karibik verschiedene militärische Anlagen modernisiert und installiert, auf Trinidad zum Beispiel oder in der Dominikanischen Republik.
00:08:31: Und so befand sich diese neue Strategie mit Blick auf Lateinamerika.
00:08:35: Amerika bereits in voller Ausführung und Venezuela ist deswegen so relevant, weil es eben nicht nur über große Ressourcen verfügt, also Öl, Gas, Gold und im Übrigen auch Wasser, das viele vernachlässigen, sondern Venezuela ist auch ein linksdiktatorisches Regime, das andere Länder und ihnen ideologisch nahestehende Bewegung und Parteien auf dem Kontinent unterstützt.
00:09:04: Und die Logik dahinter ist, dass wenn Venezuela ein Wandel vollzieht und eben nicht mehr innerhalb des Kontinentes andere Parteien und Regierungen unterstützt, die feindlich gegenüber den Vereinigten Staaten sind, dass es dann eben zu einem gewissen Domino-Effekt kommen könnte.
00:09:22: Als dritten Punkt auch noch ganz wichtig, Venezuela führt eine sehr enge Partnerschaft mit Russland und China und auch dem Iran, was natürlich Washington und Dorn im Auge ist.
00:09:32: Jetzt sind bereits wichtige Stichpunkte gefallen.
00:09:34: auf Russland und China, will ich später auch nochmal eingehen, aber du hast eben die Monroe-Doc bringen angesprochen.
00:09:42: Und eben diesen veränderten Ausdruck von Donald Trump, die Donald Ducktrin, kannst du den Begriff einmal erklären?
00:09:49: Und ist dieser Bezug aus deiner Sicht eher rhetorisch oder wird die Ducktrin hier tatsächlich wieder zur handlungsleitenden Grundlage amerikanischer Politik?
00:10:00: Also, dass die Monroe Doctrine herangezogen wird, um Machtansprüche der Vereinigten Staaten in Lateinamerika zu untermauern, ist nichts Neues.
00:10:08: Die geht zurück auf den US-Präsidenten Monroe von eighteenhundertdreienzwanzig.
00:10:13: Das war damals eine Zeit, wo eben Europa nach den napoleonischen Kriegen wieder sich verstärkt den Kolonien widmete und man wollte von US-amerikanischer Seite sicherstellen, dass die Europäer keine Konkurrenz... in der westliche Hemisphäre sind.
00:10:31: Das war die ursprüngliche Intention.
00:10:33: Und seither wurde diese Monroe Doctrine immer wieder mal bemüht von verschiedenen US-Präsidenten, um eben diesen Machtanspruch deutlich zu machen.
00:10:42: Beispielsweise hat Kennedy, in der Kuba-Krise, die Monroe Doctrine wiederbelebt und auch andere Präsidenten haben, oftmals direkt oder indirekt darauf bezuckt genommen.
00:10:55: Deswegen ist es an sich erst mal nichts Neues.
00:10:57: Ich würde sagen, Und das eben in den letzten dreißig Jahren, das bedeutet seit dem Ende des Kalten Krieges, haben die Vereinigten Staaten ihren Blick eher woanders in der Welt hingerichtet.
00:11:09: Und das ist jetzt eben ein bisschen auch eine Rückbesinnung und Wiederbelebung dieser Doktrin.
00:11:14: Wenn wir jetzt kurz nochmal zurück auf den Militärschlag gegen Venezuela schauen, das hat die Region natürlich stark aufheuchen lassen.
00:11:22: Aber nicht nur die Regierung in Caracas, sondern auch die umliegendsten Länder.
00:11:27: Wie reagieren die denn jetzt, also die Menschen in Lateinamerika auf dieses erneuerte US-Engagement?
00:11:33: Also es gibt Umfragen nach... denen es in vielerlei Länder, Lateinamerikas, in diesem Fall waren es neun untersuchte Länder, und die Mehrheit der Befragten hat angegeben, dass sie dafür sind für diesen Militärschlag.
00:11:46: Ich glaube, dem liegt einfach ein Pragmatismus zur Grunde, dass man weiß, dass die Amerikaner gewisse Ansprüche erheben und die auch durchsetzen.
00:11:56: Und wenn man sich dann eben dem Übel eines Diktators entledigen kann, dann sei es so.
00:12:02: Ich nehme mal an, dass das die Denkrichtung ist, die diesen zugrunde liegt dieser Meinung.
00:12:07: Man darf eben nicht vergessen, dass die Venezuelaner seit vielen Jahren für einen demokratischen Wechsel gekämpft haben und dass jetzt eben die Vereinigten Staaten ankommen und eben Militärschlag Maduro aus dem Land.
00:12:21: holen, das sehen da letztlich viele eben ein positives Nebenprodukt.
00:12:26: Gleichwohl besteht natürlich große Skepsis über diesem Vorgehen, dass eben völkerrechtliche Fragen beiseite schiebt.
00:12:34: Jetzt hast du eben kurz schon über die außerhemsphärischen Mächte gesprochen.
00:12:39: Im Strategie-Papier werden China und Russland erwähnt.
00:12:42: Und dabei auch etwas unterschiedlich behandelt.
00:12:45: Welche Rolle spielen diese beiden Akteure konkret in Lateinamerika?
00:12:49: Und warum wird China dabei als der eigentlich systemische Wettbewerber gesehen?
00:12:55: Die Chinas Interesse in Lateinamerika ist folgendes.
00:13:00: Man möchte gerne Zugang zu Großstoffen haben.
00:13:03: Man möchte gerne die Commodities, die hier produziert werden.
00:13:06: Abkaufen.
00:13:07: gleichwohl sucht man auch Absatzmärkte für die chinesischen Produkte.
00:13:11: Man möchte gerne Zugang zu kritischer Infrastruktur haben und diese auch kontrollieren.
00:13:17: In Zweifel werden die sogar selber gebaut, wie im Fall eines großen Tiefseehafens in Peru.
00:13:23: Man möchte Bahnlinien haben und vor allem die digitale Infrastruktur ist auch wichtig.
00:13:30: Und genau hier drauf reagieren die Amerikaner auch sehr sensibel.
00:13:34: Russland hingegen hat vor allem Militärkooperationen und auch Rohstoffpartnerschaften vorrangig im Bereich Öl.
00:13:43: Wenn es eben darum geht... das sanktionierte Öl aus Venezuela, aus der Landes zu bringen, mittels der Schattenflotte.
00:13:51: Also Russland sucht eher die Destabilisierung, während China ein langfristigeres Interesse hier hat und natürlich viel mehr Möglichkeiten und Hebel hat, diese Interessen deutlich zu machen.
00:14:03: Um das mal zu verbildlichen.
00:14:04: Seit zehn, fünfzehn Jahren hat man kaum chinesische Autos in Lateinamerika gesehen.
00:14:11: Und wenn man heute durch Lateinamerika geht, egal ob das in Uruguay ist, Brasilien, Venezuela oder Mexiko, dann hat sich der Anteil chinesischer Autos dramatisch erhöht.
00:14:23: Und da geht das eben auch um Wirtschaftsinteressen, die hier von US-amerikanischer Seite verteidigt werden.
00:14:30: Das heißt, es geht hier um weit mehr, heißt Politik, wenn ich dich richtig verstanden habe um Technologie, Transportwege, aber vor allem eben auch um Rohstoffe.
00:14:39: Wie reagieren denn jetzt die lateinernotikanischen Staaten auf diesem Druck zwischen Washington und Peking?
00:14:46: Ja, also während meine Wahrnehmung ist, dass in Europa viel mehr über diese völkerrechtliche Frage debattiert wird.
00:14:52: Da sehen das dann doch viele Lateinamerikanische Länder teilweise sehr pragmatisch, um das mal ein bisschen zu verdeutlichen.
00:15:00: Es gibt viele Länder, die auch sehr positiv auf diesen Militärschlag reagiert haben.
00:15:05: Das sind in erster Linie die Nachbarländer Dominicanischer Republik, Guyana und auch Trinidad und Tobago.
00:15:12: Das sind die unmittelbaren Nachbarländer von Venezuela.
00:15:15: Dann gibt es Regierungen, die sehr US-freundlich sind.
00:15:19: Das sind überwiegend Regierungen, die... rechts der Mitte stehen.
00:15:23: Das ist hier Paraguay und Argentinien.
00:15:27: Auch der neu gewählte Präsident Kast hat sich positiv geäußert.
00:15:30: Die rechtsregierten Länder Costa Rica und Panama haben sich auch mit einer gewissen Zurückhaltung eher positiv geäußert.
00:15:39: Und dann gibt es andere Länder, die dann vielleicht etwas neutraler waren, beispielsweise Peru.
00:15:46: Und dann am linken Rand hat man noch andere Länder wie Brasilien und Mexiko, die natürlich die sehr sehr gewichtig sind und auch Kolumbien, die links regiert sind und die das natürlich scharf kritisiert haben und vor allem völkerrechtliche Aspekte in den Vordergrund gestellt haben.
00:16:02: Man muss aber auch sagen, dass ausgerechnet diese Regierung oder Regierungsführer ein Netzwerk linker Regierung angehören.
00:16:09: und diese Netzwerke, die stehen natürlich in Gegnerschaft, wenn man so möchte, zu zu Washington.
00:16:16: Letztlich muss man sagen, dass der Pragmatismus überwiegt.
00:16:20: Man weiß, man kann den Amerikanern sowieso militärisch nichts entgegensetzen.
00:16:24: Und wenn man sich selber zu kritisch äußert, dann wird man auch wiederum Widerstand aus Washington hören.
00:16:29: Deswegen waren dann doch, glaube ich, viele Sätze zurückhaltend.
00:16:32: Jetzt hast du eben gesagt, in Europa wird über Völkerrecht debattiert.
00:16:37: Lass uns mal dem Blick Richtung Europa wenden.
00:16:40: Darüber haben wir ja noch gar nicht gesprochen, denn Europa taucht in einer Strategie nicht als Partner auf, sondern eher als Randakteur und ist kein Mitgestalter der US-Latein-Amerika-Politik.
00:16:52: Was bedeutet die neue US-Sicherheitsstrategie ganz konkret für Europa?
00:16:57: Ja, also es ist in der Tat ein Randakteur.
00:17:00: Europa wird von den Amerikanern als eine außerhemysphärische Macht gesehen und dementsprechend ist man Nicht Partner.
00:17:09: Man ist nicht Gegner, weil man ist auch nicht Partner.
00:17:11: Ich denke, es wird sehr kritisch werden, wenn sich die europäischen Ländern US-Sicherheitsinteressen oder sagen wir das, was die USA als ihre Sicherheitsinteressen in Lateinamerika definieren.
00:17:25: die europäische Länder diesem Entgegenstellen und andere Meinung vertreten, dann muss mit einer haschen Reaktion aus Washington gerechnet werden.
00:17:34: Das war ja bereits sehr fall, als im Dezember Frankreich vor einem Militärschlag in Venezuela warnte.
00:17:40: Und daraufhin hat der Ausminister Marco Rubio gesagt, dass das nicht die Sache der Europäer sei, zu entscheiden, was völkerrechtlich richtig ist und was nicht.
00:17:49: Und außerdem sei es Zitat.
00:17:52: Unsere Hemisphäre, unser Zuhause und hier bestimmen wir, was richtig ist.
00:17:57: Das waren eben die Worte von Marco Rubio und so wird es auch in anderen Fällen sein, wenn sich jetzt Europa wieder allzu kritisch äußert, wenn US-Sicherheitsinteressen betroffen sind.
00:18:09: Ich denke aber auch, dass Europa sich überlegen muss, wo man ja gemeinsame Sicherheitsinteressen hat.
00:18:14: Das ist zum Beispiel bei der Begrenzung von unkontrollierbaren Migrationsströmen, die es auf dem Kontinent gibt und die ja sehr wohl destabilisieren sind.
00:18:22: Sie haben acht Millionen Venezuelaner in den letzten fünfzehn Jahren ihr Land verlassen.
00:18:26: Es ist sehr viel.
00:18:27: Und auch die organisierte Kriminalität muss bekämpft werden.
00:18:31: Das liegt im Interesse Europas.
00:18:33: Und da könnte man mit den Amerikanern sicherlich zusammenarbeiten.
00:18:38: Wirtschaftspolitisch gesehen werden die Europäer laut Strategie eher als Konkurrent gesehen.
00:18:46: Da muss man eben auch gucken, wo man vielleicht Gemeinsamkeiten hat, zum Beispiel kritische Infrastruktur, gemeinsame Projekte.
00:18:53: Da könnte man vielleicht ein Partnerschaft machen, aber ansonsten, wenn es um Marktanteile geht, dann sind die Europäer vermutlich eher als wirtschaftliche Konkurrenten zu sehen.
00:19:04: beschreibst in deiner Analyse, dass Europa investieren, Abkommen schließen und strategischer auftreten muss.
00:19:12: Es passiert ja aktuell etwas Bemerkenswertes, dass man ja als Versuch lesen kann, wieder politisch handlungsfähig zu werden.
00:19:20: Ich meine damit, dass EU mehr Kursurabkommen, das in diesen Tagen unterzeichnet wird, ein Abkommen über das mehr als zwei Jahrzehnte verhandelt wurde und das lange als politisch blockiert galt.
00:19:34: Ist das aus deiner Sicht ein Zeichen dafür, dass Europa in Lateinamerika strategisch umdenkt und jetzt handlungsfähiger wird?
00:19:44: Ich würde sagen Jain.
00:19:45: Also ja, weil man erkannt hat, dass man aktiv werden muss und nein, weil es nach wie vor viel zu langsam ist und es nach wie vor viel zu viel Widerstand gibt.
00:19:54: Der ehemalige Präsident Brasiliens Fernand Enrique Cardoso, der hat schon in den neunziger Jahren gesagt, dass dieses Abkommen ein geopolitischen Charakter hat und nicht nur rein kommerzielle Interessen bedient.
00:20:05: Und ich finde, mit dieser Aussage hat er Recht.
00:20:08: Warum?
00:20:09: Weil die Mercosur-Länder und die EU sich sehr ergänzen.
00:20:13: Und weil auf Basis dieses Abkommens die Partnerschaft noch sehr viel mehr vertieft werden kann.
00:20:19: Und da hat Europa viel zu lange gebraucht, um das zu erkennen.
00:20:23: Die Verhandlungen mit dem Mercosur-Abkommen, die kamen ja deswegen wieder so in Schwung, weil man gemerkt hat, also in Europa, dass man sich eben auch nicht mehr so sehr auf die bestehenden Partnerschaften inklammern die Vereine starten.
00:20:37: verlassen kann.
00:20:38: Und erst so kam eben der Druck aus der Industrie in Europa, dass man gesagt hat, Mensch, wir brauchen jetzt neue Partnerschaften und wir müssen den Blick wieder verstärkt nach Südamerika richten.
00:20:52: Von Südamerikanischer Seite aus gesehen hat das sowieso viel zu lange gedauert und dementsprechend kann man jetzt noch nicht sagen, dass da eine neue Erkenntnis auf europäischer Seite ausgebrochen ist.
00:21:04: Dafür gab es einfach viel zu viel Widerstand.
00:21:07: Und ich habe jetzt nur kürzlich gelesen, dass jetzt in Spanien neuerdings die Bauern jetzt doch wieder auf die Straße gegangen sind, was jetzt auch wieder überrascht, weil Spanien eigentlich immer als Zustimmungsland galt.
00:21:19: Also man merkt daran, überall in Europa ist es schwierig und man hat nicht erkannt, wie wichtig diese Partnerschaft mit dem Mercosur ist, damit Europa in Lateinamerika nach wie vor Bedeutung hat.
00:21:33: Wie müsste denn aus deiner Sicht eine realistische, selbstbewusste EU-Strategie gegenüber Lateinamerika aussehen, gerade mit Blick auf die neuen geopolitischen Bedingungen?
00:21:44: Ich denke, wir müssen als erstes europäische Interessen in Lateinamerika identifizieren und dann auch artikulieren und das eben... auch unter Berücksichtigung der US-Sicherheitsinteressen und auch dem Wirtschaftsinteressen.
00:21:59: Man muss eben gucken, was geht und was geht nicht und wie setzt man es um?
00:22:04: Die
00:22:05: beiden Regionen Europa und Lateinamerika sind sich ja nicht nur kulturell sehr ähnlich, sondern auch mit Blick auf die gemeinsame Geschichte, die man teilt.
00:22:15: Man ist sich sehr, sehr nah und auf diesen historischen Bindung kann man die Partnerschaft sehr viel mehr vertiefen.
00:22:22: Das muss man in Europa erkennen.
00:22:25: Es ist auch in unserem Interesse, weil die meisten lateinamerikanischen Demokratien sich sehr stark für die bestehende Ordnung einsetzen.
00:22:37: Und da finden wir auch gemeinsame Partner.
00:22:40: Und ich denke, dass das ein wichtiges Zeichen ist, dass diese multilaterale Ordnung weiterhin bestand hat, dass sie weiterhin wichtig ist.
00:22:48: Das ist ein wichtiges Zeichen auch nach Washington, dass es eben auch anders geht und wahrscheinlich auch nachhaltiger.
00:22:56: Vielen Dank für deine Einschätzung, Henning.
00:22:58: Dankeschön.
00:23:00: Das war eine weiterter Folge von Auslands-Info-Spotlight, dem Außenpolitik-Podcast der Konrad-Adenauer-Stiftung.
00:23:07: Henningso und ich haben heute am sechzehnten Januar miteinander gesprochen.
00:23:12: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
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