Zwischen Frust und Hoffnung: Die arabische Welt im Wandel

Shownotes

Deutschland ist in vielen arabischen Ländern beliebt, aber kaum einflussreich. China genießt ein starkes Image, ohne die Region politisch zu dominieren. Der Iran wird kritisch gesehen, sein Vorgehen gegen Israel findet dennoch teilweise Unterstützung. Und gerade jüngere Menschen stehen der Zwei-Staaten-Lösung skeptischer gegenüber als ältere. Eine neue repräsentative Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung in sieben Ländern Länder des Nahen Ostens und Nordafrika zeigt eine Region, die sich politisch neu sortiert und die sich immer weniger eindeutig in klassische Lager einteilen lässt. Was erwarten die Menschen heute von ihren Regierungen? Wie werden Deutschland, China, die USA, Russland, Iran und Israel wahrgenommen? Und was bedeuten die Ergebnisse für die deutsche und europäische Außenpolitik? Darüber sprechen wir in dieser Folge des Podcasts mit Dr. Thomas Volk, Leiter der Abteilung Naher Osten und Nordafrika der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die Umfrage zu Haltungen und Wahrnehmungen in Nahost und Nordafrika ist hier abrufbar: https://www.kas.de/de/web/europaeische-und-internationale-zusammenarbeit/kurzum/detail/-/content/arabisches-stimmungsbild-im-schatten-des-iran-krieges

Die aktuelle Ausgabe der Auslandsinformationen, des Außenpolitik-Magazins der Konrad-Adenauer-Stiftung, ist hier online abrufbar: https://www.kas.de/de/web/auslandsinformationen/ausgaben/detail/-/content/lateinamerika-der-unterschaetzte-partner

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00:00:04: Deutschland ist in vielen arabischen Ländern beliebt, aber kaum einflussbarig.

00:00:19: Hina genießt ein starkes Image ohne die Region politisch zu dominieren – der ihr Bahn wird kritisch gesehen!

00:00:25: Sein Vorgehen gegen Israel findet trotzdem teilweise Unterstützung und ausgerechnet die junge Generation steht der Zweistaatenlösung deutlich skeptischer gegenüber als die älteren.

00:00:38: Das sind einige der Befundel einer neuen repräsentativen Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung in sieben Ländern Nordaftrikas und des Nahen Ostens.

00:00:46: Sie zeigt eine Region, die sich politisch neu sortiert – und sich dabei weit weniger eindeutig in Lager einteilen lässt, als es von außen oft scheint!

00:00:55: Was bewegt die Menschen im Sommer für den Winter?

00:00:58: Welche Mächte gewinnen dann Einfluss?

00:01:00: Und was bedeuten diese Verschiebungen für Deutschland und Europa?

00:01:04: Darüber spreche ich heute mit Dr.

00:01:05: Thomas Volk, Leiter der Abteilung nahe Osten und Land-Aftrika bei der Konrad-Adenau Stiftung – und Auftraggeber der Studie, die er übrigens in den Shownots findet!

00:01:15: Mein Name ist Ronald Taschko-Pettern, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Auslands Info Spotlight.

00:01:28: Hallo Herr Volk vielen Dank dass Sie heute da sind.

00:01:31: Guten Tag.

00:01:32: Sie waren ja schon mal zu Gast beim Podcast?

00:01:34: Und können sich sicher noch an unsere Aufwärmbründe erinnern.

00:01:38: Wie immer gebe ich Teilsätze vor, die Sie bitte vervollständigen.

00:01:41: Einverstanden?

00:01:42: Alles klar!

00:01:45: Wenn sie die aktuelle Stimmung in der Region mit einem Wort beschreiben müssten – werde es.

00:01:51: Überraschend

00:01:52: Die wichtigste Verinnerung seit dem Arabischen Frühling ist…

00:01:57: Dass die Leute doch optimistischer sind.

00:02:03: Am stärksten unterscheiden sich die sieben Länder bei

00:02:08: der Frage nach der Rolle und der Bewertung internationaler Akteure in der Region.

00:02:22: Vielleicht ordnen wir einmal von oben ein, bevor wir auf die einzelnen Länder- und Akteurde blicken!

00:02:29: Was erzählt uns die Umfrage insgesamt über den Zustand der arabischen Welt im Sommer für das Jahr

00:02:35: ist?

00:02:35: Also die Umfrage ist natürlich eine Momentaufnahme, allerdings eine ganz wichtige.

00:02:40: Weil sie inmitten des Iran-Krieges stattfand.

00:02:43: Sie wurde ja von Mai bis Juli zwanzig sechsundzwanzig in sieben Ländern der Region durchgeführt.

00:02:49: Sie gibt einen Einblick in Haltungen, Forderungen, Wahrnehmungen der Bevölkerung in der Region fünfzehn Jahre nach dem sogenannten Arabischen Frühling Und sie lässt auf neue Dynamiken in der Region schließen.

00:03:06: Einerseits gibt es Kontinuitäten, gerade wenn es darum geht wie die wirtschaftliche Lage wahrgenommen wird aber es gibt eben auch neue Tendenzen, die überraschen sind und von diesen Meinungen, Haltungen und Umfragergebnissen lassen sich dann natürlich auch politische Ableitungen für die Deutschen aus Politik treffen.

00:03:29: Mir ist aufgefallen, dass im Bericht immer wieder drei Begriffe auftauchen – Frustration, Pragmatismus und zugleich ein gewisser Optimismus.

00:03:40: Wie passt das denn zusammen?

00:03:42: Also in der Tat lassen die Ergebnisse auf einen gewissen Pragmatismus in der Region hindeuten.

00:03:48: Das lässt sich erkennen an den Umfragenergebnissen zum Beispiel im Hinblick auf die Rolle Deutschlands, wie sie in der Region wahrgenommen wird, wie generell das Deutschlandbild bewertet wird.

00:03:59: Gleichzeitig sieht man in der tat eine große Frustration gerade im Hin Blick auf die Erwartungen, die es vor über einem Jahrzehnt in der Region gab und dass es eben keine großen Erfolge gab.

00:04:12: Vor allem im Hinblick auf Teilhabe- und Mitbestimmung.

00:04:16: gerade wenn man sich die Ergebnisse für politische Parteien anschaut wird das sehr deutlich.

00:04:21: Und dann aber eben auch Optimismus und ein eher positiver Blick, wenn es um die Frage geht wie schaut man denn auf die wirtschaftliche Entwicklung der Länder der Region?

00:04:32: Da sieht man eher eine positive Grundstimmung.

00:04:36: Über einige dieser Punkte werden wir gleich noch sprechen beispielsweise das Bild Deutschlands an der Region.

00:04:43: Aber bevor wir von einem Gesamtbild sprechen Zerfällt in diesem Zusammenhang, finde ich sehr schnell.

00:04:50: Sollten wir vielleicht auch auf die einzelnen Länder schauen?

00:04:53: Weil ein Mardukana sicherlich ja anders auf die vergangenen fünfzehn Jahre blickt als jemand im Libanern oder in den palästinensischen Gebieten.

00:05:01: Welche Länder haben Sie in den Ergebnissen am meisten überrascht und verbunden?

00:05:06: Die Umfrage haben wir in sieben Ländern der Region durchgeführt.

00:05:09: In Marokko, in Chinesi, in Ägypten, Jordanien, Libanon und den palästinensischen Gebieten und erstmals in Syrien.

00:05:17: Daher waren vor allem die Ergebnisse aus Syrien sehr viel sagend weil im Dezember zwanzig vierundzwanzig der Umbruch stattfand das Assad-Regime gestürzt wurde Und wer jetzt eineinhalb Jahre später ein Stimmungsbild darüber bekam, welches politische System, welche Wirtschaftsordnung steigt man sich eigentlich in Syrien vor und wie werden internationale Akteure bewertet.

00:05:40: Interessant waren natürlich auch die Ergebnisse in den palästinensischen Gebieten gerade auch im Hinblick auf die Frage nach einer zwei Staatenlösung.

00:05:49: Aber eben auch die Antworten im Hinblick auf die politische Wirklichkeit und die Wirtschaftssysteme sind interessant, weil sie sich teilweise doch deutliche Unterscheiden in den Ländern.

00:06:02: Wenn man die innenpolitischen Ergebnisse zusammennimmt – was erwarten die Menschen heute eigentlich von ihren Regierungen?

00:06:09: Also geht es da noch um die großen politischen Versprechen des arabischen Frühlings vor fünfzehn Jahren mehr politische Teilhabe mit Bestimmungen, bessere Lebensbedingungen oder wirklich inzwischen stärker um Stabilität, Sicherheit und vor allem einen Staat der im Alltag funktioniert?

00:06:28: Ganz wesentlich ist das doch in den Ergebnissen deutlich wurde dass es Alltag der Menschen geht im Sinne von, wie ist die ökonomische Situation der Menschen?

00:06:40: Wie können sie über die Runden kommen und wie ist ihre persönliche wirtschaftliche Lage.

00:06:46: Da sieht man das es das dominierende Thema in allen Ländern der Region.

00:06:51: Man fordert Wirtschaftsreformen mehr ausländische Direktinvestitionen und ganz deutlich ist die Wirtschaftspolitik das dominierte Thema nach wie vor der Region.

00:07:03: Da lassen die Ergebnisse auch darauf hindeuten, dass der Druck auf die Herrschenden der Region weiter ansteigen dürfte wenn es nicht zu tiefgreifende Wirtschaftsreformen in den Ländern der Region kommt.

00:07:16: Die politischen Wahrnehmungen gehen doch stark auseinander – wir können allerdings in nahezu allen Ländern der Regionen feststellen dass das Vertrauen in Parlamente und vor allem in Parteien extremst schwach ausgeprägt ist.

00:07:30: Das heißt, politische Parteien genießen eigentlich in den Ländern der Region kein Vertrauen.

00:07:37: Wir sehen, dass man sich nach starken Führungspersönlichkeiten sehnt – also nach Personen die im Grunde die Dinge regeln.

00:07:45: Und wir können erkennen... dass im Allgemeinen auch eine Tendenz vorherrscht, dass Religionen eine stärkere Rolle im politischen System einnehmen sollen.

00:07:58: Dass man sich also stärkeren Rollen und auch Machtbefugnisse für religiöse Akteure durchaus vorstellen

00:08:07: könnte.".

00:08:08: Wie bewerten Sie die Entwicklung unter Demokratiaspekten?

00:08:13: Da muss man, glaube ich, den größeren Kontext eröffnen und auch nochmal rückblicken auf die Anfangsphase des sogenannten Arabischen Frühlings.

00:08:22: Der im Grunde im Dezember Jahrzehnteinzehnt seinen Ursprung nahm und dann vor allem in dem Jahrzehn-Elf einige Länder der Region nahe Ostern und Nordafrika bewegte und wir hier in Deutschland sehr medial porträtiert auch davon ausgingen, dass stabile Demokratien nach unserer Vorstellung dort entstehen könnten.

00:08:44: In Wahrheit ist es ja so das die wesentlichen Forderungen auf der arabischen Straße damals waren günstigere Brot- und Lebensmittelpreise würde war ein Schlüsselwort weil man sich diskriminiert fühlte und unterdrückt von den herrschenden Eliten und Freiheit ein ganz starkes Element war.

00:09:04: Es gab nirgendwo tatsächlich starke Demokratiebewegungen in unserem Sinne, sondern es ging um Brotwürdefreiheit.

00:09:12: Und es ging vor allem eben um die zentrale Forderung dass eine verbesserte wirtschaftliche Situation eintreten müsse.

00:09:20: Wenn wir heute in bestimmte Länder der Region blicken, dann sieht man das auch eine große Frustration rückblickend auf diese Umbruchbewegungen vorherrscht weil eben keine wirtschaftlicher Entspannung der persönlichen Lebenswirklichkeit eintrat.

00:09:35: von daher bleibt es dabei.

00:09:37: ohne wirtschaftlich Reformen oder eine Verbesserung der ökonomischen Lage bleibt prinzipiell eine Frustation bestehen.

00:09:46: also Wie kann man die Ergebnisse auch als eine Folge der Erfahrungen mit Bürgerkrieg, Staatszerfall und regionalen Konflikten bewerten?

00:09:54: wenn ich sie richtig verstanden habe?

00:09:56: Diese Entwicklungen in den letzten Jahren, wenn wir an den Bürgerkrig in Syrien denken.

00:10:02: Wenn wir an die gewaltsamen Umbrüche denken – der letzten Jahrzehnte jetzt natürlich vor allem!

00:10:08: an die Kriege im Nahen Osten nach dem brutalen Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am siebten Oktober, und was alles danach geschah mit dem Krieg in Gaza-Streifen, gegen die Hezbollah im Libanon.

00:10:26: Zuletzt natürlich im Krieg der Vereinigten Staaten von Amerika und Israel ist mit Iran dann hat das natürlich seine Spuren hinterlassen und prägt vor allem auch das Bild internationaler-und regionaler Akteure in der Region.

00:10:41: Klar ist, die Leute sehen sich nach Stabilität und nach wirtschaftlicher Entwicklung.

00:10:59: Also ganz überraschend ist sicher, dass positive Bild das Deutschland in der Region genießt.

00:11:05: Man hätte ja davon ausgehen können, dass Deutschland gerade aufgrund seiner starken Solidarität mit Israel in den letzten Jahren in der arabischen Welt kein allzu gutes Image besetzt.

00:11:18: Diese Umfragerergebnisse widerlegen diese Vermutung.

00:11:21: Deutschland hat ein besseres Bild in der Region als zu erwarten Stand.

00:11:27: Wir haben vor allem in Syrien ein sehr hohes Ansehen mit über siebzig Prozent Zustimmungswerte.

00:11:33: Im Übrigen gilt in Syrin auch Bundeskanzler Friedrich Merz als der erfolgreichste europäische Regierungschef, wenn es um die Naospolitik in der Region geht.

00:11:43: also das sind schon überraschende Ergebnisse.

00:11:47: Gleichzeitig ist auch das Bild der Vereinigten Staaten von Amerika gar nicht so schlecht und wenig überraschend, aber dennoch bedenklich ist natürlich dass die Zustimmungswerte für China und Russland nach wie vor verhältnismäße gut sind.

00:12:04: Jetzt sind wichtige Stichworte gefallen.

00:12:05: Ich würde aber noch mal gerne auf das Thema Deutschland zurückkommen, denn so wie ich das verstanden habe wird in Syrien, Tunisien, Madoc und Jordanien Deutschland besonders positiv gesehen also jetzt eben auch mit Blick auf den Kanzler wie Sie erwähnt haben.

00:12:19: gleichzeitig gilt Deutschland aber nicht als besonders einflussbarig.

00:12:24: Wie erklären sie diese Lücke zwischen Sympathie und politischen Gewicht?

00:12:29: Eine sehr gute Frage.

00:12:30: Deutschland ist beliebt, aber im Grunde nicht einflussreich.

00:12:33: so lässt sich es in der Tat gut zusammenfassen.

00:12:37: das hat natürlich damit zu tun dass Deutschland wie gesagt als starke Wirtschaftsnation wahrgenommen wird.

00:12:44: man isst vor allem um die wirtschaftssituationen in den ländern bekümmert man fordert mehr ausländische direktinvestition und man verbindet eben deutschland mit einem wirtschaftlich prosperierenden land und hat da erst mal ein gutes Bild von Deutschland, auch Made in Germany gilt ja nach wie vor überall in der Region als Qualitätspredikat.

00:13:05: Und gleichzeitig schreibt man uns aber eben keinen großen politischen Einfluss zu.

00:13:10: da sind andere Akteure deutlich gewichtiger mehr und mehr regionale Akteüre Und wir haben also keine wirkliche Kompetenzzuschreibung, wenn es darum geht vor Ort Dinger auch einflussreich umzusetzen.

00:13:26: Da ist zum Beispiel unser europäischer Nachbar Frankreich besser bewertet als Deutschland.

00:13:31: Das ist eine Frage die uns auch in Deutschland umtreiben sollte.

00:13:36: wie kann man eigentlich das gute Bild dass wir in der Region haben jetzt auch Ummünzen in einen stärkeren politischen Einfluss, zumal wir ja in der Region zu einem der größten Ergeber zählen.

00:13:50: Hätten Sie da eine konkrete Handlungsempfehlung?

00:13:53: Das ist eine tiefgreifende Frage die allerdings uns natürlich jetzt auch bewegt, wenn es darum geht wie kann Deutschland in der Region noch stärker mit seinen Partnern politische Reformen auch anstoßen.

00:14:09: Wir sind ja auch als Konrad Adenauer Stiftung in vielen Ländern der Region bereits seit Jahrzehnten mit Projekten engagiert.

00:14:16: wir versuchen Parteien und Parlamente zu unterstützen, die Zivilgesellschaft zu stärken.

00:14:22: Medienakteure aber vor allem zunehmend auch Wirtschaftsakteure zu unterstützen und leisten bereits als politische Stiftung einen Beitrag dazu vor Ort im Grunde die Kapazitäten zu stärkern.

00:14:36: Als Bundesrepublik Deutschland, die wir ja auch stark in Team Europe auftreten geht es natürlich jetzt ganz stark darum Institutionen vor Ort zu stärkeln und klar zu machen, dass starke Institutionen und legitimierte Regierungen natürlich darin unterstützt werden müssen Reformprozesse in der Region weiter voranzutreiben.

00:15:00: Jetzt haben sie neben Deutschland ja bereits Russland auch die USA als internationale Akteur der Innenregion erwähnt.

00:15:06: um noch einmal auf die USA zurückzukommen Wie werden die USA denn wahrgenommen?

00:15:12: Denn so wie ich das verstehe, ist es ein doch er-deferenziertes Bild als man nach dem Krieg in Gaza und dem Ihr Drangtrick vielleicht erwarten würde.

00:15:22: In einigen Ländern hat sich ihr Ansehen sogar verbessert – und jüngere Menschen stehen im Land teilweise positiver gegenüber als Älterte!

00:15:32: Was steckt da

00:15:32: dahinter?!

00:15:34: Auch da kommt es natürlich auf das Landgewalt an.

00:15:37: In Marokko zum Beispiel gibt es traditionell starke transatlantische Verbindungen, wir haben ansonsten natürlich den amerikanischen Lifestyle der bei Jungbefragten dazu führt dass es eben ein eher positives Bild der Vereinigten Staaten gibt.

00:15:53: Da geht es um Netflix-Serien, da geht es über Produkte, da wird natürlich alles auch in der arabischen Welt konsumiert und daher hat man ein differenziertes Bild auf dieses Land.

00:16:08: Auf die Politik des Landes, oftmals einen kritischereren als eben auf diese Alltagskultur, die auch durchschlägt bei der jungen Generation in der arabischen Welt.

00:16:19: Und Russland?

00:16:20: Dort ist das Bild ja deutlich uneinheitlicher?

00:16:24: Bei Russland muss man natürlich sagen es ebenso eine komplexe Ausgangslage.

00:16:28: in Syrien ist natürlich das Russlandbild Besonders dadurch geprägt, dass Russland in der Vergangenheit das Assad-Regime unterstützte und daher man sehr kritisch auf Russland blickt.

00:16:38: Weil man weiß, dass Rusland Waffen an das Assad Regime liefert bei den Bombadierungen während des Bürgerkrieges beteiligt war und man daher ein sehr negatives Russlandbild hat.

00:16:51: Das ist von Land zu Land unterschiedlich.

00:16:54: Teilweise gibt es ja auch starke militärische Kooperationen der Länder nach wie vor mit Russland.

00:17:00: Russland ist natürlich als autokratischer Staat, auch bei vielen Ländern der Region durchaus positiver angesehen – bei Geheimdienst und Militärkooperation vorne mit dabei.

00:17:12: Aber generell lässt sich festhalten, dass das Russlandbild nicht das allerbeste auch in der arabischen Welt ist.

00:17:19: Jetzt haben wir viel über die internationalen Akteure gesprochen aber es ist sicherlich auch sehr spannend auf die Akteur aus der Region zu schauen.

00:17:28: lassen sie uns deshalb einen Blick auf die Ergebnisse zum Iran werfen Denn beim Iran ergibt sich eines der widersprüchlichsten Bilder der Studie wie ich finde.

00:17:38: Das Land selbst wird in vielen Gesellschaften kritisch gesehen.

00:17:41: Gleichzeitig finden iranische Angriffe auf Israel teilweise auch deutliche Unterstützung.

00:17:47: Wie erklären Sie diesen Befund?

00:18:02: wesentlichste Störffaktor für die regionale Sicherheit wahrgenommen wird, dass man also Israel als ein Destabilisierungsfaktor in der Region wahrnimmt mit der Ausnahme von Marokko.

00:18:13: Da spielen natürlich auch die Abram-Abkommen eine Rolle.

00:18:17: aber das Israelbild in der Region ist schlecht Das kann man nicht anders sagen und iranische Angriffe auf Israel werden daher eher positiv bewertet wobei die Umfrage gleichzeitig zeigt, dass man das iranische Regime durchaus kritisch sieht.

00:18:36: Dass man vor allem sehr skeptisch eingestellt ist gegenüber dem iranischen Nuklearprogramm – das möchte man also auch nicht und Iranische Angriffe auf Israel begrüßt, allerdings nicht die iranischen Angriefe auf der Arabischen Golf starten.

00:18:53: Und da sieht man eben deutlich, dass diese Antworten vor allem sich gegen Israel richten – das ist eine sehr besorgniserregende Tendenz weil ausgeklammert wird, dass Israel sich in einem Selbstverteidigungskampf in der Region befand und sich wehren muss gegen radikaler Kräfte, aber die relative Mehrheit der Befragten in der Region sieht das scheinbar anders.

00:19:23: Das hat natürlich auch mit dem Medienkonsum vor Ort zu tun und wie man eine Berichterstattung über die Vorgänge in der Region

00:19:31: erhält.".

00:19:45: Genau so könnte man es formulieren.

00:19:47: Es wird ohnehin interessant sein zu sehen, wie sich nach Ende des Iran Krieges die Beziehungen der arabischen Staaten, vor allem auch der Golfstaaten zu Iran entwickeln und verändern werden.

00:19:59: Es wird auch darum gehen dass natürlich Israel weiterhin Normalisierungsbestrebung mit anderen arabischen staaten eingeht aber generell haben sie das treffend zusammengefasst.

00:20:13: Das richtet sich vor allem in den Umfrage Ergebnissen gegen israel und sollte nicht als eine stärkere Befürwortung Irans gewertet werden.

00:20:25: Sie haben in diesem Zusammenhang ja eben auch die Abraham-Abkommen erwähnt, was bedeutet diese Stimmung denn für die Abraham Abkommen und vielleicht in dem Kontext auch nochmal kurz erklärt, was sind die Abrahamabkommen?

00:20:38: Die Abrahmabkommen sind Normalisierungsbemühungen, die seit Jahr zwanzig-zwanzig laufen.

00:20:45: Es haben Marokko, Bahrein, die Vereinigten Arabischen Emiraten zwischenzeitlich auch Sudan Beziehungen mit Israel normalisiert und man versucht sich also in den unterschiedlichsten Bereichen anzunähern und zu kooperieren.

00:21:02: Vor allem wichtig wäre eine weitere Normalisierung der Beziehungen zum Beispiel Israels mit Saudi-Arabien als einer der wesentlichen Akteure der arabischen Welt.

00:21:15: Sogenannten Abram-Abkommen werden in der Tat kritisch gesehen.

00:21:19: Sie sind im Grunde auch Abkommend zwischen den Regierungen, also zwischen den Eliten der jeweiligen Länder geschlossen wurden allerdings auf der Bevölkerungsebene dort wo die Menschen sich begegnen sollten.

00:21:33: Dort sieht man eben starken Nachholbedarf.

00:21:36: Dort sind diese Abkommen noch nicht angekommen und dort sieht man Normalisierung mit Israel äußerst kritisch.

00:21:44: Der Liebernon ist dabei aber ein bemerkenswerter Sonderfall, denn dort unterstützen laut der Umfrage immerhin forty-fünf Prozent die Arten haben Abkommen.

00:21:55: Kann man die vergleichsweise größere Offenheit vor allem als eine Art Sehnsucht nach Stabilität lesen?

00:22:03: Mitunter auch und gleichzeitig sollte man hier sicher auf einer Momentaufnahme noch mal rekurrieren – die Umfrage wurde von Anfang Mai bis Anfang Juli, wie gesagt geführt und in diesen Rahmen fielen auch die ersten direkten Gespräche zwischen Lebanon und Israel um im Grunde über eine Rahmenvereinbarung zu sprechen.

00:22:29: um den Krieg zwischen Israel und der Hezbollah einerseits zu beenden.

00:22:35: Und andererseits dazu beizutragen, dass der libanesische Staat selbst stärker gegen die Hezbola vorgeht und sich dann auch die israelischen Streitkräfte aus dem Süden Libanons zurückziehen.

00:22:48: Das heißt, die Umfrage fand in einem Zeitpunkt statt, indem es erst mal wieder Direkte Gespräche gab seit Jahrzehnten das erste Mal zwischen israelischen und libanesischen Akteuren.

00:22:59: Und daher war man vermutlich in den Antworten eher positiver gesinnt, wenn es um Normalisierungen beziehungsweise direkte Gesprächen der beiden Staaten geht.

00:23:10: Ob diese Umfrage in einem Jahr genauso beantwortet würde ist daher offen.

00:23:16: Wenn wir über Israel sprechen, dann sollten wir auch einmal darauf schauen wie die zwei Staatenlösung bewertet wurde Und besonders auffällig sind da nämlich die Generationsunterschiede.

00:23:27: In allen sieben untersuchten Gesellschaften sind junge Menschen skeptischer als älterte, wenn ihr gerade die jüngere Generation den Glauben an die Zweistaaten-Lösung verliert.

00:23:38: Was bedeutet das dann für die politische Realität in zehn oder fünfzehn Jahren?

00:23:43: Also diese Umfrageergebnisse sind in der Tat besorgniserregend und lassen nichts Gutes für die Zukunft der Regionen, konkret der zwei Staaten-Lösung erahnen.

00:23:57: Man darf nicht vergessen dass die Bevölkerungsmehrheit in den Ländern junge Menschen unter thirty-fünf sind das also die Mehrzahl der Bevölkerung de facto kritisch gegenüber einer Zweistaatenlösung steht.

00:24:15: Die Ergebnisse in den palästinensischen Gebieten sind dazu besonders interessant.

00:24:20: Über sechzig Prozent der über dreißigjährigen sprechen sich laut den Umfragergebnissen in den Palästinsen Gebieten für eine Zweistaatenlösung aus, allerdings nur um die Dreißig-Prozent, Vier-Dreißigprozent sind es der Unterdreißige-Jährigen.

00:24:36: Das heißt hier sieht man ein wahnsinniges Gefälle.

00:24:38: das hat natürlich damit zu tun dass die über dreistigjährigen eher von den Ostdoor-Abkommen der neunziger Jahre geprägt sind und also stark in diesem Glauben an eine Zweistaatenlösung aufwuchsen, während die jüngere Generation vor allem jetzt in den letzten zweieinhalb knapp drei Jahren von Leid und Verwüstung und den Bildern aus dem Gaserstreifen geprägt sind.

00:25:00: Und daher ein sehr negatives Israel-Bild haben, und eine zwei Staatenlösung daher skeptischer und kritischer gegenüberstehen.

00:25:09: Aber in der Tat ist besonders besorgniserregend, dass die junge Bevölkerung, die eben die Mehrheit in der Region ausmacht im Grunde den Glauben an eine Zweistaatenlöse verloren hat.

00:25:21: Das also für die Stabilität, für die Sicherheit und für die Friedensarchitektur der Region bedeutet ist aktuell noch völlig offen.

00:25:29: Wenn wir das alles zusammendenken entsteht ein ziemlich komplexes Bild wie ich finde sehr unterschiedliche nationale Entwicklungen, ein starkes Bedürfnis nach Stabilitäts-, neue Außenpolitischub zu verdanzen und gleichzeitig ungelöste Konflikte bei denen sich gerade zwischen den Generationen ja auch etwas verschiebt.

00:25:49: wenn Sie aus all diesen befunden eine zentrale Botschaft für Deutschland und Europa ableiten müssten.

00:25:55: Was sollten wir über die Region heute anders verstehen als noch vor einigen Jahren?

00:26:00: Also die Region ist kein homogener Block.

00:26:03: Die Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas sind ganz unterschiedlich, historisch teilweise kulturell aber auch politisch und in ihren Systemen organisiert und daher ist ganz wichtig dass wir nicht einen Ansatz von One Size Fits All verfolgen sondern jedes Land jeweils bilateral uns anschauen Ostpolitik brauchen, sondern eine deutsche Außenpolitik die jeweils bilateral mit den Ländern anders umgeht.

00:26:36: Und trotzdem ist entscheidend – das hat die Umfrage doch deutlich gemacht – dass ein drängendes Problem Wirtschaftsreformen bleiben.

00:26:45: Die Länder der Region werden nicht darum herumkommen, sich um ihre Wirtschaftsordnungen Gedanken zu machen und Wirtschafts- reformen anzustoßen da die Bevölkerung in den Ländern genau das erwarten und einfordern.

00:27:01: Dabei können internationale regionale Akteure eine Rolle spielen aber am Ende bleibt es natürlich eine souveräne Aufgabe der jeweiligen Länder sich eine politische Wirklichkeit auszudiskutieren.

00:27:16: Und wir als Bundesrepublik Deutschland haben natürlich ein Interesse daran, mit diesen Ländern partnerschaftlich zusammenzuarbeiten.

00:27:25: Da geht es um Fragen von Sicherheit, um Stabilität, um wirtschaftliche Interessen und um Energiefragen.

00:27:33: Es ist am Ende des Tages unsere direkte Nachbarregion Flügel, die zwischen zwei bis vier Stunden in den meisten Ländern der Region dauern.

00:27:42: Und daher ist es in deutschem Interesse, dass wir uns mit den Ländern beschäftigen und vor allem das sie stabil sind.

00:27:51: Herr Volk, vielen Dank für das sehr interessante Gespräch!

00:27:54: Ich danke Ihnen für das Interesse.

00:27:57: Das war eine weitere Befolge von AuslandsInfoSportLight dem Außenpolitik-Podcast der Konrad Adenauer Stiftung.

00:28:04: Thomas Volk und ich haben uns heute am Donnerstag den freizenden August unterhalten.

00:28:08: Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet die vollständige Umfrage wie immer in den Shownauts!

00:28:15: Vielen Dank fürs Zuhören – bis zum nächsten Mal!

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