Deutschland und Argentinien: Partner in einer neuen Weltordnung?
Shownotes
Deutschland braucht verlässliche Partner – für Energie und Rohstoffe, für Handel und Investitionen, aber auch, um in einer zunehmend umkämpften Welt politisch handlungsfähig zu bleiben. Argentinien könnte dabei an Bedeutung gewinnen. Das Land verfügt über Lithium, Kupfer, Schiefergas und große Potenziale bei erneuerbaren Energien. Gleichzeitig öffnet sich die Wirtschaft unter Präsident Javier Milei stärker für internationale Investitionen. Doch wie belastbar ist dieser Reformkurs? Welche Rolle kann Argentinien beim De-Risking und bei der Diversifizierung deutscher Lieferketten spielen? Wie blickt das Land selbst auf Europa – und was können Deutschland und die EU im Wettbewerb mit China und den USA überhaupt anbieten? Darüber sprechen wir in dieser Episode unseres Podcasts mit Carmen Dragon, Trainee der Konrad-Adenauer-Stiftung in Buenos Aires. Carmen Dragons Beitrag zur Perspektive einer vertieften deutsch-argentinischen Zusammenarbeit ist hier online abrufbar: https://www.kas.de/de/web/auslandsinformationen/artikel/detail/-/content/perspektiven-einer-deutsch-argentinischen-zusammenarbeit-im-kontext-globaler-diversifizierung Die aktuelle Ausgabe der Auslandsinformationen, des Außenpolitik-Magazins der Konrad-Adenauer-Stiftung, ist hier online abrufbar: https://www.kas.de/de/web/auslandsinformationen/ausgaben/detail/-/content/globale-partnerschaften-zwischen-werten-interessen-und-geopolitischem-wettbewerb
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00:00:04: Deutschland braucht verlässliche Partnern für Energie und Wohlstoffe, für Handel und Investitionen.
00:00:19: Aber auch um in einer zunehmend unkämpften Welt politisch handlungsfähig zu bleiben!
00:00:25: Doch Deutschland und Europa sind längst nicht die einzigen, die um solche Partnerschaften werden.
00:00:29: China investiert – die USA dringend um politischen und wirtschaftlichen Einfluss Und viele aufstrebende Staaten entscheiden heute selbstbewusster, mit wem sie zusammenarbeiten und zu welchen Bedingungen.
00:00:42: Genau darum geht es in der aktuellen Ausgabe der Auslandsinformationen – globale Partnerschaften zwischen Werten- und Fressen-, und geopolitischem Wettbewerb!
00:00:51: Ein besonders interessanter Fall ist Argentinien.
00:00:54: Das Land verfügt über Lithium, Kupfer, Schiefergas und große Potenziale bei erneuerbaren Energien.
00:01:01: Gleichzeitig öffnet sich die Wirtschaft unter Javier de Millet stärker für internationale Investitionen.
00:01:06: Für Deutschland klingt das zunächst vielversprechend, doch Millets Reformkurs ist umstrücken – Risiken bleiben und andere Akteure sind längst vor Ort!
00:01:16: Welche gemeinsamen Interessen könnten eine Grundlage sein damit daraus wirklich eine strategische Partnerschaft wird?
00:01:23: Darüber spreche ich heute mit Carmen Tragern.
00:01:26: Sie ist trainee der Kandrat-Adenauer Stiftung im Buenos Aires und autotun des Beitrags Pampa & Partnerschaft, die in einer neuen Ausgabe der Auslandsinformationen zu lesen ist.
00:01:36: Den Link dazu gibt es in den Shownotes!
00:01:38: Mein Name ist Ronald Haschko-Pattern.
00:01:40: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Auslands Info Spotlight.
00:01:52: Hallo Carmen, schön dass du da bist.
00:01:54: Hallo Rana
00:01:55: Wie immer möchte ich dem Podcast mit unserer kleinen Aufwärmrunde beginnen, bei der ich Detailsetze vorgebe, die du bitte vervollständigst.
00:02:05: Okay?
00:02:08: Was mich an Argentinien am meisten überrascht hat ist...
00:02:13: Dass die Kultur so beziehungsorientiert ist und dass auch viele professionelle Beziehungen einfach so stark auf persönlichen Verbindungen beruhen.
00:02:26: einen verlässlichen und langfristigen Partner, der entlang der Wertschöpfungsketten unterstützt.
00:02:33: Und nicht nur auf Rohstofferschließungen und Energiepartnerschaften angewiesen ist.
00:02:41: Eine Partnerschaft mit Argentinien könnte aus Sicht Europas
00:02:45: zur Diversifizierung von Wertschöffungsketten beitragen und auch zum De-risking.
00:02:54: Dann steigen wir direkt ein.
00:02:56: Wir haben jetzt schon ein bisschen gehört, wie du auf Argentinien blickst.
00:03:01: Mich würde zunächst interessieren, was Bundesland gerade jetzt auch strategisch stärker in den Fokus drückt?
00:03:08: Kann man die neue Ausgabe der Auslandsinformationen fragt danach, wie Deutschland in einer zunehmend fragmentierten Welt verlässliche Partnerschaften aufbauen kann?
00:03:18: Was macht Argentinien aus deiner Sicht gerade jetzt zu einem interessanten Partner für Deutschland und auch für Europa?
00:03:27: Also sowohl die geopolitische Ausgangslage als auch die Situation in Argentinien selbst machen das Land aus meiner Sicht gerade jetzt zu einem interessanten Partner für Deutschland und Europa.
00:03:36: Geopolitisch hat sich die Welt, wie wir alle wissen, in den letzten Jahren heblich verändert.
00:03:42: Sie ist zunehmend multipolarer geworden bestimmte Akteure an Bedeutung gewonnen Bündnisse haben sich gewandelt und gleichzeitig sind eben neue Konflikte und Krisenherde entstanden.
00:03:53: durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine aber auch Durch den Konflikt im Nahen Osten ist einfach deutlich geworden, wie stark Deutschland und Europa von einzelnen Energie-Partnern abhängig war oder ist.
00:04:08: Und wie notwendig in diesem Zusammenhang und in der zunehmend fragmentierten Welt ein breites Partnernetzwerk mit verlässlichen Partnern an unterschiedlichen Ecken und Enden der Welt ist und sein kann?
00:04:21: Das stellt einerseits den Bedarf eben dar dass man sich als Deutschland und Europa in gewisser Weise neu ausrichten muss, um globale Diversifizierung zu erreichen.
00:04:34: Und auf der anderen Seite hat man dann aber eben in Argentinien bestimmte Eigenschaften vereint die für ein Partner relevant sind und die ein Partner interessant machen.
00:04:44: Also grundsätzlich weist Argentinien eine relative Stabilität im regionalen Vergleich auf.
00:04:51: Das Land ist weder in geopolitische Konflikte verwickelt, noch gibt es einen innerstaatlichen Konflikt wie jetzt beispielsweise in Kolumbien.
00:05:00: daneben verfügt das Land über historisch enge Bindungen zur Europa durch verschiedene Einwanderungswellen im neunzehnten Jahrhundert.
00:05:10: Die Institutionen sind in ihrer Tradition grundsätzlich westlich geprägt und daneben ist Argentinien aber auch extrem reich an Rohstoff- und Energieressourcen, also Argentinian verfügt über extrem große Reserven von Lithium und Kupfer, aber auch Öl und Gas.
00:05:29: beispielsweise fällt Wakamorta in der Provinz New Can und kann damit eben auch zur Diversifizierung europäischer Lieferketten beitragen.
00:05:39: Das klingt tatsächlich nach ziemlich günstigen Voraussetzungen.
00:05:43: Gleichzeitig ist Argentina aber auch ein Land, das wirtschaftlich immer wieder enorme Brüche erlebt hat.
00:05:50: Also damit meine ich die Wirtschafts- und Wertungskrisen der vergangenen Jahrzehnte – du streibst nun in deinem Beitrag für die Auslandsinformationen, dass sich gerade ein vergleichsweise günstiges Zeitfenster für eine vertiefte Zusammenarbeit auftut!
00:06:05: Was hat sich verändert?
00:06:07: Also ich würde sagen, das Umfeld hat sich mindestens teilweise verändert seit dem Regierungsantritt unter der Libertär-Liberalen Regierung La Libertadavanza von Präsident Milley.
00:06:21: Millay verfolgt eine relativ radikale Reformagenda, die verbunden ist mit einer Politik der fiskalischen Konsolidierung, der Deregulierung und aber auch in Eröffnung gegenüber internationalen Investitionen.
00:06:34: Also wie du sagst seit Jahren hat Argentinien immer wieder Wirtschaftskrisen.
00:06:38: In den letzten Jahren hat das einen großen Staatsbankrott erlebt Und zum Regierungsantritt von Millay lag die Inflation bei rund zweieinhalb Prozent, kumuliert im Jahresverlauf.
00:06:51: Er hat sich vor allem dem verschriebenen Haushaltsdefizit sehr stark zu reduzieren und einfach die Ininflation zu senken.
00:07:02: Das ist ihm bisher auch insbesondere auf die Reduzierung des Defizits und die Reducierung der Inflationsweitgehend gelungen.
00:07:10: Er hat auch versucht, strukturelle Probleme zu reduzieren.
00:07:13: Also Argentinien hat einen sehr stark aufgeblähten Staatsapparat und in einigen Industriebereichen eine geringe Produktivität dadurch dass die Sektoren lange einfach durch gewisse Barrieren geschützt waren.
00:07:27: Und er hat eben Subventionen abgebaut, Firmen privatisiert und die Märkte weitgehend geöffnet.
00:07:34: Und zudem ein Schema eingeführt das sogenannte RIGI.
00:07:38: Das ist ein Förderregime für Großinvestitionen.
00:07:42: Das richtet sich an Projekte mit einer Mindestinvestition von rund zweihundert Millionen US-Dollar.
00:07:48: in strategischen Bereichen also sei es jetzt Energie-, Rohstoffe-, Infrastruktur Und in dem entsprechenden Bereich werden durch dieses Förderregime eben Rechtssicherheit für dreißig Jahre und gewisse steuerliche Stabilität zugesichert.
00:08:02: Es gilt ein internationaler Rechtsschutz, also wenn es zu Streitigkeiten kommt dass man vor internationalen Gerichten dann die entsprechenden Prozesse austragen kann und dadurch ist das ihm jetzt gelungen so ein bisschen mehr Vertrauen aufzubauen, würde ich sagen einfach auch für Investorinnen und Investoren.
00:08:21: Und ich glaube das ist einfach was sich jetzt verändert hat.
00:08:26: Das heißt wenn ich dich richtig verstanden habe hängt ein großer Teil dieses ja neuen Moments mit Milaist-Präsidentschaft also zusammen.
00:08:37: Ist
00:08:37: der aktuelle Reformkurs auf seine Person zugeschnitten?
00:08:42: Oder gibt es aus deiner Sicht Anzeichen dafür, dass er auch über seine Präsidentschaft hinaus Bestand haben könnte?
00:08:50: Also einerseits muss man ganz klar sagen, dass der Reformkurs natürlich jetzt in diesem Umfang und auch in der Radikalität schon mit der Person Milais bzw.
00:09:02: seiner Regierung verbunden ist.
00:09:04: Was man aber auch anmerken muss, ist das beispielsweise der Minister für Deregulierung und Staatstransformation Sturzenerger heißt er.
00:09:13: Und viele weitere Funktionäre – und auch technische Kader – beispielsweise ehemalige Pro-Mitglieder sind also Mitgliedern der Partei die unter Maurizio Macri in den letzten Jahren schon an der Regierung war und auch damals entsprechende Reformen schon versucht hat auf den Weg zu bringen.
00:09:31: Damals war es allerdings viel gradueller als als es jetzt der Fall ist.
00:09:35: Man hat viel stärker versucht, damals auch die soziale Absicherung mit in den Blick zu nehmen und das einfach stärker zu berücksichtigen.
00:09:43: Und jetzt sind die Reformen definitiv mit der Regierung Millei verbunden werden aber auch durch andere Parteien der Mitte wie unter anderem die Pro- und die Usere im wirtschaftlichen Bereich unterstützt Und auch durch einige peronistische Gouverneure in den Regionen.
00:10:04: Also der Konsens ist teilweise politisch stärker über Parteigrenzen hinweg gefunden und was man aber auch sagen muss, ist dass die entscheidende Frage sein wird ob sich der Kurs wie du auch gesagt hast institutionell verfestigen kann.
00:10:22: also ich glaube das sehr, sehr relevante Frage die sich auch zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beantworten lässt.
00:10:30: Meines Erachtens nach ist die Antwort aktuell gemischt.
00:10:34: viele Politikwissenschaftler gehen davon aus dass Millay auch bei den nächsten Wahlen im kommenden Jahr gewinnen wird.
00:10:41: einerseits zeichnet sich kein zum aktuellen Zeitpunkt keinen aussichtsreicher Gegenkandidat ab und die Wirtschaftsreformen werden so schmerzhaft sie nach wie vor sind trotzdem in vielen Teilen der Gesellschaft, aber auch in der Wirtschaft als notwendig und wichtig erachtet.
00:11:00: Und ich glaube das ist was man auch auf jeden Fall im Kopf behalten
00:11:04: muss.".
00:11:04: Dann ist es quasi so wenn ich das richtig verstanden habe dass ersetzt eben abzuwarten bleibt ob diese Veränderungen überhaupt über die Amtszeit Milays hinaus tragfähig sind.
00:11:16: Richtig?
00:11:18: Ich glaube schon, dass sich einige zentrale Punkte definitiv halten werden.
00:11:23: Das RIGI habe ich ja schon erwähnt also das garantiert diese Rechtssicherheit auf jeden Fall für dreißig Jahre.
00:11:29: Das wird auch über die Amtszeit von Milay hinaus definitiv bleiben und ich glaube schon daß der Konsens in der Gesellschaft mittlerweile auch da ist, dass man nicht zum Vorherrigen Wirtschaftsmodell zurückkehren möchte.
00:11:42: Es bleibt natürlich dann die Frage, ob es bei einer Folge Regierung dann Modifizierungen oder teilweise Anpassungen geben wird?
00:11:51: Aber grundsätzlich wird für die Dauerhaftigkeit der Reformen auch Ausschlag geben sein, inwieweit die soziale Akzeptanz in der Bevölkerung einfach anhält und ob sich diese auch auf mikrokonomischer Ebene widerspiegeln.
00:12:02: Ob die Armut sinkend ist das Einkommen vielleicht wieder wächst Die öffentlichen Dienstleistungen sich verbessern Und auch ob man beispielsweise im Bereich der Korruptionsbekämpfung Erfolge sieht
00:12:12: Kamen damit, haben wir ja eigentlich einen recht guten Blick schon mal auf die argentinische Seite geworfen.
00:12:18: Lass uns jetzt doch auch nochmal auf die deutschen Inspressen blicken!
00:12:22: Welche Rolle kann Argentinien bei der Diversifizierung von Lieferketten und beim The Risking spielen gerade?
00:12:30: Mit Blick auf Energie- und kritische Rohstoffe hast du eben schon erwähnt, Lithium, Kupferunkohlen... Ich
00:12:37: glaube, dass Argentinien besonders in drei Bereichen für Deutschland relevant werden kann oder relevant ist.
00:12:46: Also einerseits im Bereich kritische Rohstoffe wie ich auch in meinem Artikel geschrieben hatte, Argentinian gehört zum sogenannten Lithium-Dreieck zusammen mit Bolivien und auch Chile und verfügt in diesem Zusammenhang über eines der weltweit wichtigsten Lithiumvorkommen.
00:13:02: Lithium ist, wie wir alle wissen, zentral für die Elektromobilität, für die Energiewende und zusammen mit Kupfer gewinnt es immer weiter an Bedeutung.
00:13:13: auch kupfer vorkommen liegen in Argentinien vor allem im Bereich der Andenkordiere.
00:13:19: Chile ist hier schon sehr, sehr weit in der Erschließung.
00:13:22: Argentinien hat zeitweise seine Minen die mal bestanden wieder geschlossen und es aktuell quasi im Wiederaufbau.
00:13:30: also es gibt ja im Bereich kritischer Rohstoffe ein sehr großes Potenzial und aber gleichzeitig auch nur im Vergleich zu anderen Ländern gute Möglichkeiten für den Markt eintritt weil die Märkte einfach noch nicht so weit sind wie beispielsweise im Nachbarland Chile.
00:13:46: Deutschland hat zwar keine großen Bergbauunternehmen, könnte sich aber auf jeden Fall in vorgelagerten Industrien entsprechend positionieren um hier auch zu diversifizieren im Bereich der Lieferketten aber eben auch selber Wertschöpfung zu schaffen.
00:14:01: Der zweite Bereich, in dem Argentinien definitiv Relevanz haben wird ist der Bereich Energie.
00:14:07: Argentinienne hat sowohl gute Möglichkeiten für konventionelle Energiequellen also einerseits Öl und Gas Feldes Wacker-Mörter, das ich vorhin schon kurz erwähnt hatte.
00:14:20: Aber auch im Bereich von Erneuerbaren und Übergangstechnologien also durch viel Wind und starke Sonneneinstrahlung sowohl im Süden als auch im Norden des Landes hat Argentinien großes Potenzial im Bereich der Sonnen- und Windenergie aber auch für die Produktion von grünem Wasserstoff was mein Dritter Punkt wäre, indem es gute Möglichkeiten gibt für Deutschland bezüglich Argentinien.
00:14:48: Hier kann Deutschland sich sowohl einbringen was wissenschaftliche Kompetenzen Technologie Kenntnisse angeht also in Bereichen wie Produktion von grünem Wasserstoff Aber auch in Zukunftsbereichen wie jetzt zum Beispiel Raumfahrt, wie den Satellitensektor.
00:15:07: Da ist Argentinien schon sehr weit entwickelt und bietet hier auch sehr viel Potenzial für eine Zusammenarbeit.
00:15:16: Kamen wenn ich das richtig verstanden habe?
00:15:18: Die Risking meint ja die gezielte Reduzierung wirtschaftlicher und politischer Risiken durch das Verringern einseitiger Abhängigkeiten.
00:15:28: Wie verhindert man denn jetzt aus deutscher Perspektive, dass aus the Risking nun jetzt eben eine neue Abhängigkeit von einem anderen Rohstoffpartner nämlich Argentinien entsteht.
00:15:43: Ich glaube die wichtigste Lehre, die wir jetzt aus den vergangenen Erfahrungen beispielsweise auch mit Russland ziehen können ist das man weiter Diversifizierung nicht durch eine andere Monokultur ersetzt also das wird uns nur auf Argentinien beziehen, sondern vielleicht auch gemeinsam mit anderen Ländern in der Region einfach ein entsprechendes De-risking betreiben.
00:16:06: Also man sollte immer versuchen mehrere Lieferpartner parallel aufzubauen.
00:16:11: durch die Förderung der lokalen Wertschöpfung kann man auf jeden Fall meines Erachtens nach auch Abhängigkeiten senken Wenn man langfristige Industriepartnerschaften aufbaut, da nur reine Rohstofflieferbeziehungen ist das meines Erachtens nach auch ein nachhaltigeres Wirtschaftsmodell.
00:16:29: und so sehr ich glaube dass Argentinien ein wichtiger Partner werden kann.
00:16:34: Glaube ich auch, dass man sich nicht auf einen Partner alleine verlassen sollte sondern immer auch Netzwerke in Regionen aufbauen sollte und dadurch eben entsprechend neue Abhängigkeiten verhindern kann.
00:16:49: Lass uns doch einmal die Perspektive umbringen.
00:16:51: Wie blickt Argentinien eigentlich auf Deutschland und Europa?
00:16:55: Also sind wir aus argentinischer Perspektiven überhaupt attraktive Partner?
00:17:01: Also, Deutschland hat in Argentinen einen wahnsinnig guten Ruf.
00:17:07: als ich merke das überall wo ich hierhin komme wenn ich sage Ich komme aus Deutschland ist die Aufnahme stets Super positiv.
00:17:15: Leute unternehmen werden grundsätzlich mit Technologie, mit Verlässlichkeit, mit langfristigem Engagement verbunden.
00:17:23: Die duale Ausbildung ist ein System auf das man in Argentinien mit großem Interesse blickt und dass man als sehr wertvoll und nachhaltig und gut befindet.
00:17:32: Es gibt zahlreiche deutsche Schulen, Austauschprogramme.
00:17:36: es gibt erhebliche Wirtschafts- und Wissenschaftskooperationen bereits zwischen Argentinian und Deutschland.
00:17:44: Man schaut auf Deutschland wirklich mit Bewunderung teilweise auch, aber auch einfach mit dem Wunsch dass sich die Beziehungen weiterhin intensivieren und stark und wichtig bleiben.
00:17:56: Was man glaube ich schon sagen muss ist das Deutschland unter Europa relativ an Bedeutung verloren haben im Vergleich beispielsweise zu anderen Akteuren, die wirtschaftlich und politisch zunehmend wichtiger geworden sind wie jetzt China und die USA.
00:18:12: Vor allem politisch hat die Regierung Milaine natürlich in Richtung USA.
00:18:16: Also Europa bleibt attraktiv, aber es wird nicht mehr so als selbstverständlich wahrgenommen.
00:18:21: Ich glaube wir haben's auch zeitweise verpasst in Deutschland und Europa uns hier stärker auf dem Kontinent zu engagieren.
00:18:30: Ich sehe beispielsweise auch ein neues Selbstbewusstsein hier in Argentinien.
00:18:35: Argentinian wartet, glaube ich nicht auf uns und das müssen wir uns immer wieder bewusst machen und so ein bisschen von dieser eurozentristischen Perspektive auch abweichen.
00:18:43: Argentina hat alternative Optionen und ich weiß sie würden gerne und möchten gerne mit Deutschland und Europa kooperieren und zusammenarbeiten.
00:18:52: aber gleichzeitig glaube ich möchten Sie ja auch auf unserer Seite den Wunsch und dieses Bedürfnis sehen.
00:19:00: Also zum Beispiel für die lange Verhandlungsdauer vom Mercosurabkommen habe ich teilweise wirklich deutliches Unverständnis hier in der Gesellschaft aber auch in der Politik erlebt, dass ich wirklich nachvollziehen kann persönlich.
00:19:17: Wie verändert das denn aus argentinischer Sicht den Blick auf Europa?
00:19:22: Also ist es vor allem handelspolitisch wichtig oder auch ein geopolitisches Signal, dass Europa in Lateinamerika jetzt eben doch wieder stärker present sein will.
00:19:34: Aus Argentiner Sicht hat das Abkommen... glaube ich schon, sowohl eine wirtschaftliche als auch eine geopolitische Dimension und ist einfach ein Chancenprojekt.
00:19:44: Also Millay selbst hat gesagt das es eine der größten Rungen schaffte das Merkosur, dass dieses Abkommen quasi jetzt zumindest ervorläufig ratifiziert worden ist.
00:19:55: Weil es natürlich eine der größten Freihandelszonen der Welt schafft – es erschließt neue Absatzmärkte und erweitert die internationalen Handelsabkommen des Merkhosurs.
00:20:05: Im Artgrasektor wurde es weitgehend positiv aufgenommen.
00:20:08: in der Industrie hingegen hat man so ein bisschen Angst einfach auch vor Konkurrenz hier in Argentinien und einigen Wettbewerbsnachteilen.
00:20:15: Aber grundsätzlich ist es einfach ein wichtiges handelspolitisches Signal.
00:20:20: Argentinien möchte auch wieder stärker in den westlichen Sphärenhands politisch aktiv sein und als wichtiger und verlässlicher Akteur wahrgenommen werden, zeigt aber dadurch eben auch dass sich diversifizieren möchte und quasi neben China nehmen den USA Europa einfach zentral und wichtig findet.
00:20:43: Und das, glaube ich, spielt auch andersherum eine wichtige
00:20:46: Rolle.".
00:20:47: Jetzt hast du bereits China-und die USA schon erwähnt?
00:20:51: Welche Rolle spielen die denn aus argentinischer Sicht und worin unterscheiden sich deren Angebote von dem was Europa bieten kann?
00:21:00: Also ich glaube dass sie unterschiedlichen Akteure einfach sehr verschiedene Positionen einnehmen.
00:21:06: Wenn wir jetzt mal mit China beginnen.
00:21:09: China spielt meines Erachtens nach vor allem im Bereich Finanzierung eine wichtige Rolle, aber auch im Bereich Marktgröße und schnelle Projektumsetzung.
00:21:19: China ist einer der wichtigsten Handelspartner Argentinians.
00:21:23: China investiert massiv in Infrastrukturprojekte, in Lithium-Projekte vor allem im Norden des Landes.
00:21:30: In den Provinzen Katamarca, Salta und Ruhui ohne große Auflagen sage ich jetzt mal.
00:21:36: Gleichzeitig stellt sich die Frage wie nachhaltig diese Wertschöpfung ist?
00:21:39: Wir waren in der Vergangenheit in einer Lithiummine in Katamarka, die von China betrieben wird bzw chinesischen Unternehmen.
00:21:50: Und da hat man schon gesehen es werden viele Arbeiter nach Argentinien gebracht aus China Es wird viel Gerät direkt aus China hierher gebracht und da stellt sich dann natürlich schon die Frage, wieviel von dieser Wertschöpfung bleibt letztendlich in Argentinien?
00:22:07: oder ist es letztendling eher eine Primarisierung der Wirtschaft, die China quasi betreibt?
00:22:13: Dadurch dass man wenig Technologietransfer, wenig Ausbildung hier unterstützt sondern wirklich viel mehr einfach Geld auch in das System pumpt.
00:22:22: Ich glaube, es hat sich grundsätzlich unter der Regierung Millay verändert.
00:22:25: Dass die Skepsis gegenüber China viel größer geworden ist natürlich auch dadurch dass man sich politisch stärker dem Westen und den USA wieder zugewandt hat.
00:22:35: aber gleichzeitig versucht die Regierung Milley auch weil sie es in gewisser Weise sein muss stärker pragmatisch zu sein was ein chinesisches Engagement in Argentinien angeht.
00:22:49: Die USA hingegen, würde ich sagen, haben vor allem politischen Einfluss aber auch gleichzeitig finanziellen Einflüsse.
00:22:56: Also durch die Weltbank, durch den IWF unterstützen die USA-Argentinien einerseits finanziell über internationale Finanzinstitutionen, aber auch durch den Währungswapf.
00:23:09: vor den letzten Wahlen haben sie dazu beigetragen das System zu stabilisieren.
00:23:13: mit Deviesen und auch im Bereich Technologie, IT- und Verteidigungszusammenarbeit spielen die USA eine wichtige Rolle.
00:23:21: Man sieht immer wieder auch Investitionen in den Bereich Energie.
00:23:26: In Wakamorta sind die USA sehr aktiv.
00:23:29: Sie haben da ja auch im technologischen Bereich viele Angebote, die sie Argentinien machen können.
00:23:35: Es gibt grundsätzlich viele Konflikte zwischen den USA und China bezüglich Investitiones verschiedensten Sektoren in Argentinien bestehen.
00:23:47: Es gibt auch Kritik aus den USA an möglichen Dual-Use von chinesischem Engagement hier im Land, an verschiedenen Investitionen von China im Bereich der kritischen Infrastruktur und hier bietet Europa eine Alternative für Argentinian einerseits also zwischen diesen beiden entgegensetzten Polen, USA und China aber auch qualitativ bietet europa glaube ich ein anderes Modell der Zusammenarbeit.
00:24:16: Grundsätzlich können wir im Bereich Technologietransfer, im Bereich Ausbildung wie schon erwähnt habe und im Bereich regulatorischer Stabilität langfristiger Marktzugänge durch mehr Kursur und Investitionen entlang der Wertschöpfungskette einfach ein alternatives Ergänzen des Entwicklungs- und Zusammenarbeitsmodell bieten.
00:24:36: und ich glaube schon dass dieses all komplementär auch zur argentinischen Wirtschaft ist und langfristig zu Modernisierung und Industrialisierung beitragen kann, und definitiv auch gewünscht und gewertschätzt wird in Argentinien.
00:24:50: Milays wirtschaftliche Öffnung liegt teilweise im europäischen und Brosse gleichzeitig?
00:24:56: Gibt es das hast du erwähnt ja auch deutliche Kritik an seinem recht konsponsativen Regierungsstil und auch an den sozialen Folgen seiner Reformen
00:25:04: usw.?
00:25:06: Wie lässt sich eine strategische Partnerschaft gestalten, ohne Werte und Interessen gegeneinander auszuspielen?
00:25:14: Also ich glaube bei einer erfolgreichen Partnerschaft darf man weder ausschließlich Interessen geleitet agieren noch ausschließend nur werteorientiert sein.
00:25:26: Also ich glaube, Deutschland und Europa werden einfach mit Argentinien nicht immer in jederinnen politischen Frage beeinstimmen.
00:25:32: Und definitiv ist es auch wichtig diese Dissonanzen immer wieder zu artikulieren.
00:25:37: Es ist wichtig die andere Seite der Medaille zu sehen von Milays Wirtschaftsmodell.
00:25:44: Die sozialen Kosten sind unglaublich hoch!
00:25:46: Auch wie sich Milay jetzt im Vergleich zu Journalisten äußert oder dass man beispielsweise Zukunftsinvestitionen in Infrastruktur und Bildung zurückfährt, sind definitiv gesellschaftliche Entwicklungen, die wir in Europa nicht teilen.
00:26:02: Und zu denen wir uns auch auf jeden Fall immer äußern sollten.
00:26:06: Was wir schon teilen, sind grundlegende Prinzipien wie Demokratie-Rechtstaatlichkeit und die marktwirtschaftliche Eröffnung.
00:26:14: Da ist sowohl die Regierungsebene wichtig, aber auch die Provinzen sind wichtig.
00:26:18: Dass sich hier Vernetzungen ergeben unternehmen die Privatwirtschaft die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und der Zivilgesellschaft weil ich glaube dass man nur so die Möglichkeit hat Interessen klar zu benennen Werte konsequent zu vertreten und vielleicht auch ohne zum moralisieren und das man einfach den Rechtsstaat und die Demokratie vor allem auch stärken kann, wenn man mit Universitäten zusammenarbeitet.
00:26:42: Mit der Justiz, mit der Verwaltung und so quasi dann auch einem extremeren Regierungsstil und versuchen an der Rechtsstaatlichkeit zu schrauben oder entsprechende Prinzipien wie die Gewaltenteilung zu untergraben dass man nur so dem etwas entgegensetzen kann.
00:27:01: weil ich glaube, dass es nur möglich ist die Sense auch anzusprechen wenn man gute Beziehungen mit dem anderen Land pflegt und auch das man nur auf diese Weise Werte und Interessen gleichermaßen bespielen kann ohne sie gegeneinander auszuspielen.
00:27:16: Wenn Deutschland morgen drei Dinge tun könnte Omos diesen Zeitfenster über das wir eingangs gesprochen haben eine langfristige sportigische Partnerschaft zu machen welche wären das?
00:27:28: Ich glaube man sollte jetzt wirklich Das Zeitfenster nicht verpassen, schnell sein und in den Energiebergbau-Sektoren aber auch Infrastrukturung und Digitalisierung als Deutelunternehmen aktiv werden.
00:27:43: Und das auch möglichst politisch unterstützt vielleicht durch Kredite, durch die KfW und Abnahmegarantien und Ähnliches.
00:27:50: Dann glaube ich auch, dass man mehr technologische Kooperationen einfach mittel- und langfristig wagen sollte in Zukunftssektoren im Bereich der dualen Ausbildung.
00:28:01: Und aber auch in der Forschung.
00:28:02: also hier gibt es so viel Potenzial und ich sehe das ja auch ein bisschen.
00:28:06: die Angst besteht dadurch Forschungseinrichtungen und Universitäten nicht mehr im gleichen Rahmen unterstützt werden.
00:28:15: Und ich glaube aber, dass man trotzdem als Deutschland hier weiterhin Präsenz sein sollte gerade auch bei beizeitigten Projekten und sich da nicht zurückziehen sollte weil es einfach für eine langfristige und strategische Partnerschaft extrem wichtig ist in diesen Bereichen aktiv zu sein.
00:28:32: Und der letzte und meines Erachtens nach auch mit wichtigste Punkt ist, glaube ich.
00:28:38: Man sollte Argentinien nicht als Ruhstofflieferanten betrachten sondern wirklich als strategischen Partner in Lateinamerika allgemein.
00:28:46: im Südatlantik wird Argentinian immer wichtiger für die Sicherheitskooperation.
00:28:51: Berlin muss das aktuelle Zeitfans da einfach nutzen von einer reinen Handelsbeziehung einfach wirklich weiter geht zu einer strategischen Partnerschaft.
00:29:01: Man kann Kapitaltechnologie und eine verlässliche Partnerschaft bieten, Deutschland sucht sichere Lieferketten und neue Märkte aber auch vertrauenswürdige Partner.
00:29:11: Und ich glaube wir haben hier extrem komplementäre Interessenlagen den wir einfach Sorge tragen
00:29:16: sollten.".
00:29:22: Das war eine weitere Folge von Auslands Info Spotlight, dem Außenpolitik-Podcast der Konvert-Adenauer Stiftung.
00:29:29: Wer sich für das Thema interessiert, dem empfehle ich die neue Ausgabe der Auslandsinformationen mit dem Titel Globale Partnerschaften zwischen Werten im Fressen und geopolitischen Wettbewerb.
00:29:41: Den Link dazu findet ihr in den Shownotes.
00:29:43: Kam in Frage und ich haben uns heute am siebten September unterhalten!
00:29:47: Vielen Dank fürs Zuhören – bis zum nächsten Mal.
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