Frankreichs Wutausbruch – Gewalt, Staat und Wahlkampf

Shownotes

Ein ausgebranntes Rathaus, geplünderte Geschäfte, Angriffe auf Polizisten: Die Ausschreitungen vom 17. Oktober haben Frankreichs politische Debatte verändert. Im Zentrum stehen die sozialen und politischen Konflikte hinter den Protesten, die zunehmende Gewalt und die Frage, welche Handlungsspielräume Präsident Macron und seiner Regierung in der angespannten Lage überhaupt noch bleiben. Wer kommt bei den Protesten zusammen? Welche Rolle spielen linksradikale Gruppen und Integrationsprobleme? Wie handlungsfähig sind Präsident Macron und seine Regierung angesichts knapper Kassen und schwieriger Mehrheitsverhältnisse? Und wer könnte vor der Präsidentschaftswahl 2027 politisch profitieren? Darüber sprechen wir in dieser Episode unseres Podcasts mit Anja Czymmeck, Leiterin des Auslandsbüros Frankreich der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sie hat jüngst eine Analyse zu den aktuellen Eskalationen verfasst.

Der Länderbericht von Frau Czymmeck zu den aktuellen Eskalationen ist hier online abrufbar: https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/17-oktober-frankreichs-wutausbruch Die aktuelle Ausgabe der Auslandsinformationen, des Außenpolitik-Magazins der Konrad-Adenauer-Stiftung, ist hier online abrufbar: https://www.kas.de/de/web/auslandsinformationen/ausgaben/detail/-/content/globale-partnerschaften-zwischen-werten-interessen-und-geopolitischem-wettbewerb

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Transkript anzeigen

00:00:04: Auslandsinfo, Spotlight.

00:00:06: Um die Welt mit der Konrad-Adenauer Stiftung.

00:00:12: Ein ausgebranntes Barthaus in Limousch.

00:00:15: Geplünderte Geschäfte im Partys.

00:00:17: Androsser auf Polizisten – Die Austreitungen vom vergangenen Wochenende setzen Frankreichs Regierung unter Druck.

00:00:23: Am siebzehnten Oktober gingen nach Angaben der Behörden rund fünfhundertfünfzigtausend Menschen auf die Straße.

00:00:29: Aufgerufen wurde zu Betrotesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und misste in dem Bildungssystem.

00:00:35: Doch in mehreren Städten kam es zu massiver Gewalt, inzwischen gelten örtliche Ausgangssperren weiter durch.

00:00:40: Demonstrationen sind angekündigt.

00:00:43: Die Folgen spragen Geschäftsinhaber, Anwohner und öffentliche Einrichtungen – die politische Verantwortung wird zwischen Regierung und Opposition hin- und hergeschoben.

00:00:52: Und wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl steht die Frage im Traum Wer dem Land wieder Stabilität geben kann.

00:00:59: Wie tief bräuchte diese Krise?

00:01:01: Und was bedeutet sie für Frankreich und Europa?

00:01:03: Das besprechen wir heute mit Anja Cimic, sie leitet das Auslandsbüro Frankreich der Konvert-Adenauer-Stiftung in Paris und hat die Ereignisse und ihre politischen Folgen an einer aktuellen Analyse eingeordnet.

00:01:14: Den Link dazu gibt es wie immer in den Shownotes!

00:01:17: Ein kurzer Hinweis Wir zeichnen dieses Gespräch am Donnerstag, dem Zweiundzwanzigsten Oktober auf.

00:01:22: Die Lage in Frankreich entwickelt sich weiter – neue Entwicklungen bis zur Veröffentlichung werden deshalb in dieser Folge noch nicht bedrücksechtigt!

00:01:30: Mein Name ist Ronald Taschko-Pattern.

00:01:32: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Auslands InfoSportLight.

00:01:44: Hallo Frau Timmick, danke dass Sie sich die Zeit nehmen!

00:01:47: Sehr gerne!

00:01:48: Bevor wir einsteigen beginnen wir immer mit drei Teilsätzen, die sie bitte vervollständigen einverstanden?

00:01:55: Ja, gerne!

00:01:59: Die wichtigste Frage an die politische Führung lautet für mich gerade.

00:02:04: Wie stelle ich Sicherheit her und beantworte die gesellschaftlichen Problemstellungen?

00:02:12: Was man auf den Nachrichtenbildern aus Paris nicht sieht ist...

00:02:16: ...die unglaubliche Zerstörung Wut und Verzweiflung der Menschen über diese Situation.

00:02:24: Was mir trotz der aktuellen Spannung in Hoffnung macht, ist...

00:02:29: Ja dass man in Frankreich vielleicht immer noch eine Lösung gefunden hat aus Krisen heraus.

00:02:39: Okay da sind schon einige Punkte dabei auf die wir gleich zur Drück kommen aber zunächst möchte ich die Lage mit Ihnen sortieren.

00:02:46: Frau Timmick was passiert gerade in Frank-Weich?

00:02:49: Bei den Protesten kommen ja Schüler Studierende Gewerkschaften und auch Teile der gelbwesten Bewegung zusammen.

00:02:56: Was verbindet diese unterschiedlichen Gruppen gerade?

00:03:00: Also wir haben am siebzehnten Oktober hier in Frankreich landesweit nicht nur in Paris einen wirklichen Wutausbruch der Gesellschaft erlebt, die aktuelle Protestwelle in Frankrijk ist deshalb politisch so brisant weil eben gleich mehrere Krisenlagen miteinander verbunden sind.

00:03:18: also es gibt einmal die Bildungskrise eine Kaufkraftkrise Und einen sehr großen Vertrauensverlust gegenüber den Institutionen und hinzu noch die französische Konfliktkultur.

00:03:31: Also es gab ja unterschiedliche Gruppen, die aufeinander getroffen sind.

00:03:36: da waren auf der einen Seite eben Schüler studierende Gewerkschaften und Teile der gelbwesten Bewegung vermischt mit Ultralinken, die dann das Ganze sozusagen gestört haben.

00:03:48: Auf ihre Frage was verbindet diese unterschiedlichen Gruppen?

00:03:51: Also die Schüler und Studierenden protestierten gegen Lehrermangel überfüllte Klassen, marode Schulen und Universitäten und auch eben gegen das aktuelle Zulassungssystem Parcours-Syp für die Universitäten.

00:04:05: Die Gewerkschaften kritisierten die Sparzwängern, Lohnentwicklung kamen noch hinzu die Geldbesten, die sich eben dem Thema mehr so Kaufkraft, Inflation und steigende Energiepreise und Kraftstoffpreise auf die Fahne geschrieben hatten.

00:04:24: Und das verbindende Element eben all dieser Gruppe ist das Gefühl eines fortschreitenden sozialen Abstiegs.

00:04:32: also was alle eint ist eben das Gefühl dass das was man verdient der Lohn nicht mehr zum Lebensunterhalt wirklich ausreicht seine Kernversprechen einfach nicht erfüllt.

00:04:45: Jetzt haben Sie schon hier links radikalen Akteure angesprochen, welche Rolle spielen die denn dabei?

00:04:51: Versuchen sie, die Proteste gerade für ihre eigenen Ziele zu nutzen?

00:04:56: Ja, also man konnte feststellen dass sich wirklich ultra linke Gruppen so die Analyse eben der Beobachter und viele Experten ultralinke Gruppe haben sich unter diese Demonstranten.

00:05:09: Die ja eben auch ein wirkliches Anliegen hatten gemischt und eben für Chaos gesorgt.

00:05:14: Also der überwiegende Teil der demonstrierenden verfolgte eben seine konkreten sozialen Forderungen.

00:05:19: und diese radikalen Gruppierungen die haben eben versucht oder es ist gelungen eben zu politisieren und die haben die gewaltsame Konfrontation gesucht.

00:05:30: Also wir haben Szenen erlebt, die waren wirklich unglaublich also selbst mit allem den ich spreche, die die Geldwesten erlebt haben, haben gesagt das war ein Ausmaß wie noch nie da gewesen.

00:05:44: Und dieses Zusammenspiel, es war wirklich toxisch.

00:05:48: Also diese Ultralinkengruppen haben sich über Handys, über TikTok miteinander verbunden und haben eben überall für Unruhe unter den Demonstrierenden gesorgt.

00:05:58: Die Situation war wirklich sehr, sehr brisant!

00:06:03: Man kennt ja diese Bilder von Gewaltausbrüchen aus Frankreich sehr gut, aus verschiedenen Situationen in der Vergangenheit.

00:06:10: Die Geldwesten-Proteste, die sie angesprochen haben ab dem Jahr zum Jahr im Jahr ist, gab es ja die Unruhen nach der tödlichen Polizeikugel auf den siebzehnjährigen Neil.

00:06:21: Was macht die jetzige Situation so besonders?

00:06:24: Also ist das Mobilisieren in den sozialen Netzwerken oder was ist jetzt anders?

00:06:30: Zur Erwinnerung, die Geldwestenbewegung war primär eine Revolte gegen Kaufkraftverluste.

00:06:35: Es ging damals um Energiepreise.

00:06:38: Dann gab es die Rentenreformproteste, die sich eben gegen die Entscheidung gerichtete das Rentenalter herabzusetzen und dann die Unruhe nach dem Tod von Nael.

00:06:47: Die richteten sich in den Borneuils also hier in den Vororten hauptsächlich gegen die Diskriminierung durch staatliche Organe wie die Polizei zum Beispiel.

00:06:56: Und die aktuelle Lage verbindet erstmals Elemente aller drei Konflikte und als Stichwort ist hier zu nennen eben wirklich die soziale Wut.

00:07:05: Ein Generationenkonflikt spielt auch eine Rolle, Kritik am Start, Vertrauensverlust gegenüber den Eliten.

00:07:14: und was die Sache hier so unglaublich machte war, dass die Proteste eine eindeutig andere Qualität hatten durch diese Gewalt- und Zerstörungswut Und das macht auch die Proteste schwer berechenbar.

00:07:30: und wir rechnen jetzt, also es soll ja weitergehen.

00:07:33: Jetzt am Samstag und auch Anfang November sind schon je nächsten großen Demonstrationen angekündigt und der Staat antwortet mit Ausgangssperren und auch mit Demonstrationsverboten wo man eben von Fall zu fall entscheiden will ob man wirklich ein Demonstationsverbot ausspricht.

00:07:53: Gerade heute aktuell, wenn ich das noch hinzufügen darf hat eben der Sicherheitsrat unter Präsident Macron getagt und man hat also eben gerade über Demonstrationsverbote auch gesprochen.

00:08:05: Man hat aber auch klar gemacht dass eben Gewerkschaften und Leute die ein legitimes Anliegen haben weiterhin demonstrieren dürfen.

00:08:13: Aber man wird es so beurteilen oder analysieren, dass keine Gefahr für die Republik entsteht.

00:08:20: Sie haben eben von einer sehr speziellen Konfliktkultur in Frankreich gesprochen.

00:08:26: Was erklärt denn, dass diese sozialen Konflikte dort immer wieder in so heftige Konfrontationen mit dem Staat münden?

00:08:34: Auch soziale Wut ist ja vorhin gefallen, das Wort!

00:08:37: Ich erkläre es mir immer so, ich bin jetzt auch erst seit drei Jahren in Frankreich.

00:08:42: Ich habe ja auch vieles als Beobachterin vorher von außen mitbekommen.

00:08:46: aber die kompromissorientierten Verhandlungskulturen sind hier schwächer ausgeprägt als das zum Beispiel in Deutschland der Fall ist und Straßendemonstrationen gelten hier historisch als legitimes politisches Druckmittel Und das Verhältnis zwischen Polizei und Teilen der Bevölkerung ist vielfach auch belastet.

00:09:08: Also gerade hier in Frankreich haben immer wieder auch Menschenrechtsorganisationen die Polizeigewalt gegenüber Demonstrierenden erwähnt

00:09:16: usw.,

00:09:16: also man konnte das jetzt auswunden, also auch sehr massiv Tränengas eingesetzt Explosiv- und Verteidigungsgranaten.

00:09:23: Also, ich glaube die Franzosen haben das Gefühl erst dann gehört zu werden wenn der Protest sichtbar unstörend wird!

00:09:30: Und ja... Das ist auch hier eben mein Eindruck gewesen.

00:09:34: Das war eben auch hier die besondere Herangehensweise.

00:09:38: Aber eben was neu war, waren diese Ultralinken.

00:09:41: Diese Black Blocks, die dann auch die Demonstrationen so haben eskalieren lassen, sodass es zu diesen massiven Plünderungen usw.

00:09:51: gekommen ist.

00:09:53: Schauen wir genauer auf diejenigen, die an den Ausbreitungen mitteiligt waren.

00:09:57: Frau Tomek nach ersten Auswärtungen der Partiesa Staatsanwaltschaft kam in viele dieser mutmaßlichen Plünderte von denen sie gesprochen haben aus Vororten wo viele Menschen ja auch eine Einwanderungsgeschichte haben.

00:10:11: Welche Rolle spielen Integrationsprobleme und das Verhältnis zum Start in diesen Vierteln bei der aktuellen Gewalt?

00:10:20: Also erst mal, glaube ich muss man betonen, dass nicht die Gesamtheit der Bewohner dieser Viertel eben mit den Gewalttätern gleichzusetzen ist.

00:10:28: aber was eben auffällt, dass in diesen vierteln häufig einer besonders hohe Jugendarbeitslosigkeit herrscht schwächere Bildungsabschlüsse vorhanden sind.

00:10:39: Es ist eben in diesen besonderen Vororten eine Konzentration sozialer Probleme, also schwierige Familienverhältnisse.

00:10:48: wo Anzahl Alleinerziehender, die eben auch dann im Betreuungsproblem haben und geringes Vertrauen in die Institutionen.

00:10:56: Und besonders ein schwieriges Verhältnis zur Polizei.

00:11:00: Hinzu kommt noch was sie ansprachen – die Migrationsfrage.

00:11:05: In Frankreich spielt immer nochmal die Kolonialgeschichte und Migrationsgeschichte eine besondere Rolle.

00:11:12: Viele Jugendliche aus sozial benachteiligten Vororten sind zwar in Frankreich geboren besitzen die französische Staatsbürgerschaft.

00:11:21: Sie fühlen sich trotzdem fremd, also eine fehlende gesellschaftliche Zugehörigkeit trotz des französischen Passes.

00:11:29: und das kommt auch daher weil viele aus diesen Vorstätten eben auch Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht haben.

00:11:37: Das heißt, Benachteiligung auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt aber auch Diskriminierung bei Polizeikontrollen.

00:11:44: Das lässt einen Gefühl der Ausgrenzung entstehen.

00:11:47: also es ist immer so ein Widerspruch zwischen rechtlicher und sozialer Zugehörigkeit und eben dieses tiefe Misstrauen gegenüber dem Staat.

00:11:57: Bei Versäumnissen der Politik, die man vielleicht in den letzten Jahren da auch gemacht hat, dass man vielleicht zu wenig soziale Durchlässigkeit gegeben haben und ungleiche Bildungsqualität.

00:12:08: in diesen Vierteln herrscht oft ein besonderer Lehrermangel – was ich immer wieder.

00:12:14: Ich denke, in Frankreich gibt es immer sehr lange Ferien.

00:12:18: Also in den Sommermonaten ist die Schule von Mitte Juli bis Anfang September.

00:12:23: und ich frage mich auch immer wie gerade Familien, die sich eben keine Nanny leisten können oder wie sie überhaupt dann ihre Kinder betreut kriegen?

00:12:30: Und ich glaube dass das dann auch gerade in diesen Vierteln für Familien besonders schwierig ist!

00:12:36: die Kinder zu betreuen.

00:12:37: Und natürlich was auch das Sicherheitsproblem, also diese Bekämpfung eine unzureichende Bekäpfung der Kriminalität und eben das Verhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung.

00:12:48: Das sind so Dinge, die glaube ich schwierig sind und aufversäumt

00:12:52: wurden.".

00:12:53: Wenn wir jetzt so darüber sprechen dann stelle ich mir natürlich die Frage welche Konsequenzen müsste Frankreich denn jetzt stopp ausziehen?

00:13:01: Also sicherlich müsst ihr ne nachhaltige Strategie gefunden werden, eben zwischen Sicherheit Bildung und auch eine Stadtentwicklung.

00:13:10: Also sie müssen diese Elemente verbinden und eben versuchen einerseits das Sicherheitsbedürfnis dem zu entsprechen und die Sicherheit wieder zu garantieren aber gleichzeitig auch eine Antwort finden auf diese vielen sozialen und gesellschaftlichen Fragestellungen, die jetzt eben auch nochmal sehr offen zutage getreten sind.

00:13:28: Und welche Rolle spielt dabei der Präsident persönlich?

00:13:32: Denn die Wut richtet sich ja auch gegen Präsident Macron.

00:13:36: Er selbst hat ja Defizite bei der Vorbereitung auf die Ausstreitungen eingedräumt, gleichzeitig reist er aber an den Golf unter anderem für Gespräche über die Energieversorgung.

00:13:47: Wie wird diese Entscheidung in Stringsrecht

00:13:48: aufgenommen?".

00:13:49: Ja, also mittlerweile ist der Präsident ja wieder in Paris zurück.

00:13:52: Aber in der Tat war es so dass die Wahrnehmung dieser Reise, die er gleich am Wochenbeginn nach diesen Ausschreitungen begonnen hat gespalten.

00:14:01: Es gab im Befürworter, die argumentieren das eben ein Präsident seiner außenpolitischen Aufgaben einfach nicht einstellen kann.

00:14:08: Wenn es eine innenpolitische Krise gibt und Macron hat dann also auch sich doch beeilt auch darzustellen dass diese Reise an den Golf konkrete wirtschaftliche und strategische Interessen Frankreichs beinhaltet und dazu gehörten eben also auch Abschlüsse von Verträgen zur Vertiefung von Handelsbeziehungen, Verteilungskooperationen.

00:14:30: Und es ging auch um das Thema Energieversorgung.

00:14:34: Das war eine seiner wichtigen Argumente, dass er sich eben auch um zusätzliche Lieferungen von Diesel- und Flüssiggas in der Region bemühte.

00:14:43: Es geht darum, dass Frankreich aus der Region mehr Energie erhält damit der Bürger Es an den Tankstellen merkt, denn auch hier ist das Thema Energiepreise, Tankpreise und Treibstoffpreise sehr groß.

00:14:56: Also uns seine Kritiker sehen aber auf der anderen Seite wiederum ein Symbol der Distanz zwischen dem Elysée-Palast also zwischen ihm und der Bevölkerung dass er dann wegfährt in so einer Situation wo es diese Art von Ausschreitungen und Protesten gibt.

00:15:14: Insgesamt muss man sagen, dass Macrons eben beliebtheitswerte sind schon sehr niedrig.

00:15:21: Aber er hat es dann auch bei seinen Kritikern mit so einer Reise nicht gerade verbessert.

00:15:28: Das heißt, Macron muss jetzt politische Antworten auf die Unzufriedenheit der Protestierenden geben.

00:15:36: Aber das ist glaube ich nur begrenzt möglich hinsichtlich der angespannten Haushaltslage und den Mehrheitsverhältnissen im Parlament oder?

00:15:44: Also sehen Sie hier einen Handlungsspielraum!

00:15:47: Der Handlungsspielraum ist sehr begrenzt.

00:15:49: Die Regierung muss gleichzeitig mehrere Dinge lösen, einmal die Gewalt jetzt eindämmen für Sicherheit sorgen, gleichzeitig den Haushalt Frankreichskonsolidieren, Bildungsausgaben finanzieren und die Wirtschaft wettbewerbsfähig halten.

00:16:06: Und jetzt kommt ja auch noch hin zu viele Entschädigungszahlungen für die Betroffenen, Wiederaufbau, Maßnahmen für diese zerstörten... Einrichtung, Rathäuser.

00:16:16: Und man fragt sich wirklich, woher das Geld kommen soll?

00:16:19: Sie spielen die schwierigen Mehrheitsverhältnisse an und natürlich kommt hinzu also einmal hat man keine Mehrheit wir stehen jetzt kurz vor der Haushaltsverabschiedung aber es gibt eigentlich keine Mehrheiten diesen Haushalt durchbringen.

00:16:33: wahrscheinlich wird man das wieder per Dekret machen dass man den Haushalt Durchwinkt und Die politischen Ränder haben natürlich ein strategisches Interesse daran die Regierung als komplex handlungsunfähig erscheinen zu lassen, weil natürlich die anhaltende Instabilität die Position stärkt.

00:16:51: Und mein Eindruck ist aber auch was jetzt die Staatsfinanzen anbelangt das es immer noch eine mangelnde Reform bilden gibt.

00:17:00: also man ist sich der Situation des Ganzen vielleicht nicht so richtig bewusst dass man doch auch Reformen angehen muss um den Staatshaushalt zu sanieren.

00:17:09: aber eben ein sehr schwieriges Thema hier in Frankreich

00:17:13: Fortumig, welche konkreten Maßnahmen wären unter diesen Bedingungen trotzdem durchsetzbar?

00:17:19: Also was ich mir jetzt vorstellen könnte, wenn es um Bildungsfragen geht kann man vielleicht für besonders belastete Schulen Maßnahmen schnell ergreifen.

00:17:28: Beschleunigte Lehrerverfahren, gezielte Entlastungen eben bei Energie- und Mobilitätskosten dann aber auch ein hartes Vorgehen gegen Plünderung und organisierte Gewalt.

00:17:39: also man hat sich ja auch heute das wurde klar bei den diversen Sitzungen der Regierung heute dass man als erstes eben wieder Man will garantieren, dass bei den nächsten Protestaktionen und Demonstrationen das eben nicht wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt.

00:17:56: Sondern dass die Polizei ihren Job machen kann und die Bürger auch wirklich schützen kann.

00:18:01: weil also der Innenminister musste ja hier einräumen nach dem Geschehnissen das Ganze ja völlig entglitten ist.

00:18:08: Also insofern gibt es jetzt so erste Maßnahmen in diese Richtung die Sicherheit zu garantieren härteres vorgegen gegen diese Randalliere angekündigt, dass Dialogformate mit Gewerkschaften und Studentenvertretungen gefunden werden sollen.

00:18:24: Also kleine Schritte vielleicht aber der große Wurf wird natürlich entscheidend sein.

00:18:28: auch welche Möglichkeiten hat man finanziell nachher um eben auf alle Forderungen einzugeben.

00:18:36: Scheint so als würde was die Regierung jetzt erreicht oder aber auch schuldig bleibt auch den Wahlkampf nächstes Jahr betrieben?

00:18:44: Wenn die Regierung unter diesen Bedingungen nur wenig bewegen kann, wie verändert das die Ausgangslage für die Präsidentschaftsbahn?

00:18:54: Also kurzfristig

00:18:55: scheint

00:18:56: vor allem Rassomblement National und Marine Le Pen davon zu profitieren.

00:19:01: Mein erster Gedanke war, als ich diese Proteste sah am siebzehnten Oktober habe ich gedacht meine Gott jetzt sind die Bahnen entschieden.

00:19:08: aber so einfach ist es dann auch wieder nicht.

00:19:10: Aber sie scheint als erstes davon zu Profitieren.

00:19:13: in den Umfragen führt sie Und ihr Narrativ lautet natürlich, der Staat habe die Kontrolle verloren und müsste die Autorität zurückgewinnen.

00:19:22: Und eben diese Gewaltzinn- und Plünderungen stärken natürlich dieses Argument was sie hat.

00:19:28: Jean-Luc Mélenchon dagegen, der punktet bei der jungen Generation und bei den Protestierenden.

00:19:35: Und eben vielen Teilen der Linken weil er sich sehr demonstrativ auf ihre Seite stellt.

00:19:40: Er ist auch mit gelaufen, ebenso auch bei den Protesten.

00:19:44: Ebenso wie auch die Vertreter der Ecologist also der Grünen Partei.

00:19:49: Und das politische Risiko für die Linke und Melanchon besteht jetzt allerdings darin, dass er mit den Ausschreitungen auch in Verbindung gebracht wird.

00:19:57: Aber Gerüchte.

00:19:58: wir sagen auf der anderen Seite, dass sich Melanchón eigentlich mit der Rolle für ihn das auch in Ordnung ist wenn jetzt Marine Le Pen gewinnt und er begibt sich da also in die Oppositionsrolle.

00:20:11: Er findet sich damit ab!

00:20:12: Also er geht dieses Risiko ein.

00:20:14: Wenn der Regierung es nicht gelingt stabilisieren, also dann werden sich eben bei der Präsidentschaftswahl zwanzig siebenundzwanzig noch stärker als bisher die Themen Sicherheit, Migration und staatliche Autorität in den Vordergrund schieben.

00:20:32: Und ja dann sehe ich natürlich auch wenig Spielraum für eine Veränderung der Lage.

00:20:38: Da kommt auch immer noch hinzu, also wir haben im Moment ein riesiges Kandidatenfeld und das mitte bürgerliche Lager ist zerfasert weil so viele Kandidate da sind.

00:20:48: und ich sage immer wenn die sich nicht auf einen Kandidaten einigen, dann werden wir am Ende eben den Präsidentschaftswahlkampf haben.

00:20:56: Womöglich der sich nur zwischen Frau Le Pen und Herrn Mélenchon abspielt.

00:21:00: aber es gibt auch über noch Franzosen die da Hoffnung haben das noch was passiert.

00:21:06: Frau Timmick bisher haben wir darauf geschaut wie diese Krise Frankreich verändert?

00:21:10: Lassen Sie uns doch abschließend dem Blick über die Landesgrenzen richten.

00:21:14: Hohe Lebenshaltungskosten, Integrationskonflikte und Misstrauen gegenüber der Politik beschäftigen ja auch andere europäische Länder.

00:21:22: In Albanien gibt es derzeit auch viele Proteste.

00:21:26: unter welchen Bedingungen könnten die Proteste und je weiter aus Frankreich denn auf anderen Ländern überschwappen?

00:21:33: Ich glaube, dass das passiert schon.

00:21:35: Sie haben Albanien erwähnt.

00:21:36: auch in Italien gibt es ja ähnliche Proteste und wir hören auch, dass sich eben gerade diese linksextremen Gruppen doch sehr vernetzen und auf in anderen europäischen Ländern eben auch für Unruhe sorgen wollen.

00:21:49: Und hier in Frankreich kommt natürlich hinzu was ich auch schon erwähnte eben die starke Demonstrationskultur und eben die historisch hohe Bereitschaft zur Straßenmobilisierung.

00:22:00: Aber die Probleme, die sie eben auch ansprachen – hohe Wohnkosten, Inflationen, Frustration junger Menschen, Integrationsprobleme, sinkendes Vertrauen in Parteien.

00:22:11: Das sind Probleme, wie wir in jedem Land wiederfinden und das zeigt mir also für Deutschland und andere europäische Länder wenn man es nicht schafft sich reformfähig zu zeigen, wenn die Politik nicht schaft Antworten zu geben bei den Bürgern ankommen, dann gibt es solche Ausbrüche.

00:22:30: Dann wird das immer, immer

00:22:32: schwieriger.".

00:22:33: Jetzt haben wir viel über sinkendes Vertrauen in die Politik, Mehrheitsverhältnis im Parlament, staatliche Autorität und ja auch mögliche Folgen für Europa gesprochen.

00:22:42: aber mich würde zum Schluss noch ihr Alltag in Paris gerade interessieren wie erleben Sie und itschen die Lage vor Ort?

00:22:50: Also wir sind schon sehr betroffen gewesen.

00:22:53: Insofern erstmal einige Mitarbeiter unseres Büros wohnen in Stadtteilen, wo die Demonstration massiv ausgeartet sind.

00:23:02: also die waren sehr konfrontiert mit der Zerstörungswut das Autos branden, Elektroroller branden Geschäfte geplündert wurden.

00:23:12: Die haben das an ihren Wohnorten direkt mitbekommen und waren auch sehr schockiert.

00:23:16: ich selber Ich bin am Samstagabend von einer Veranstaltung zurückgekommen und in einer U-Bahn-Station beim Umsteigen in so eine Trädengaswolke gekommen.

00:23:26: Und lauter vermummte, schwarz gekleidete Leute sind mir entgegengekommen.

00:23:31: Also ich habe immer gedacht, ich bin nicht besonders schreckhaft aber da musste sagen, da hatte ich doch ein paar komische Momente!

00:23:37: Und hier unser Büro liegt in der Nähe des Champs-Elysées wohl also auch... Obwohl es zunächst hieß, dahin kommen sollen die Demonstrierenden nicht kommen.

00:23:46: Aber hier waren ja auch dann Ausbrüche auf den Champs Elysee Richtung Elyseepalast.

00:23:52: also diese Gewalt-Exzesse haben sie ja doch in Stadtteile eben Zugang gefunden wo man eigentlich bisher dachte oder ist man sehr weit weg und hier geht's eigentlich ruhiger zu.

00:24:05: Also wir waren schockiert!

00:24:07: Nicht nur ein bisschen Wir war schon sehr schockert.

00:24:09: Das glaube ich Ihnen also gerade jetzt so.

00:24:12: nur vom Zuhören allein wird einem schon ganz anders.

00:24:16: Passen Sie gut auf sich auf, vielen Dank für Ihre Einschätzungen und den Einblick in Ihren Alltag vor Ort!

00:24:22: Sehr gerne!

00:24:27: Untertitel im Auftrag

00:24:30: des

00:24:39: ZDF.

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